Pressemitteilung – Kulturhaushalt 2026: Mehr Förderung für Festivals, kein Lichtblick für Clubs

Der Festivalförderfonds wird aufgestockt, die Clubs dagegen nicht berücksichtigt

In der Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2026 lag den Koalitionären nach eigener Aussage die freie Szene „besonders am Herzen“. Die LiveMusikKommission (kurz LiveKomm) begrüßt als Bundesverband der Musikspielstätten die beschlossene Aufstockung des Festivalförderfonds, ist jedoch in großer Sorge über die mangelnde Finanzierung der Clublandschaft. Die aktuelle Verbandserhebung der LiveKomm aus dem Herbst 2025 bestätigt das bestehende Meinungsbild und zeigt, dass die zunehmend existenziell bedrohlichen Kostenentwicklungen für die Kulturbetriebe kritische Zustände erreichen.

Mit dem Bundeshaushalt 2026 wurde eine Aufstockung des Festivalförderfonds um zusätzliche zwei Millionen Euro beschlossen. Diese Maßnahme ist aus Sicht der Liveszene dankenswert und notwendig, denn der Fonds hilft dabei, die breite und vielfältige Festivallandschaft finanziell aufzufangen. Angesichts großer Belastungen, insbesondere bei den Produktionskosten, ist diese Verdopplung ein Segen.

Jedoch leiden die knapp 2.000 Musikclubs in Deutschland unter den gleichen Kostenentwicklungen. Die LiveKomm hatte in den Gesprächen im politischen Raum vielmals auf die massive Überzeichnung der bisherigen Clubförderprogramme bei der Initiative Musik hingewiesen, welche für die Jahre 2024/2025 mit insgesamt lediglich 1,9 Millionen Euro ausgestattet waren.

In den letzten Jahren meldeten die LiveKomm-Mitglieder beständig außerordentliche Preissteigerungen in praktisch allen betrieblichen Bereichen – seien es Mieten, Security- oder Energiekosten. So geben im aktuellen Club- und Festival-Monitoring des Verbands 64 % der Musikspielstätten an, stark unter den Kostenentwicklungen zu leiden.

Die Hälfte der Clubs (51 %) muss aus wirtschaftlichen Gründen Veranstaltungen absagen.

Unter diesen Vorzeichen ist es wenig verwunderlich, dass ein großer Teil der Musikspielstätten im Zuge der Erhebung angab, künftig nicht auf Fördergelder verzichten zu können: In den kommenden zwölf Monaten brauchen 70 % von ihnen staatliche Fördermittel, um ihren Betrieb zu halten.

Clubs und Festivals sind Begegnungsstätten und mit ihrem vielfältigen Publikum und Künstler*innen Orte gelebter Demokratie. Gerade angesichts des Erstarkens rechtsextremer Strömungen in Deutschland sind sie derzeit wichtiger als je zuvor.

Mankel Brinkmann, Vorsitzender der LiveKomm: „Angesichts der aktuell angespannten Haushaltslage ist die Aufstockung des Festivalförderfonds ein großer Erfolg. Allerdings bedauern wir, dass die große Koalition nur einen Teil der angeschlagenen Livebranche gesehen und die Clubs hier nicht mitgedacht hat. Wir hätten angesichts der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Situation sowie der wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Betriebe den dringend notwendigen Ausbau der Unterstützung begrüßt und sind daher enttäuscht.”

Schallschutz darf ab 2027 kein Experiment mehr bleiben

Das 2024 ins Leben gerufene Schallschutzprogramm wurde bislang nicht für eine nachhaltige Finanzierung vorgesehen. In dessen Rahmen sollen Musikspielstätten in die Lage versetzt werden, bestehende Konflikte mit Anwohnenden zu minimieren. Im Rahmen eines Pilotprojekts, dessen Finanzierung über das Bundesbauministerium zunächst nur bis 2026 gesichert ist, wird demnächst der erste Schritt mit einer Handvoll Clubs und Festivals vollzogen. Die LiveKomm appellierte in den letzten Wochen und Monaten an die Regierungskoalition, die nahtlose Fortsetzung des Programms in den künftigen Haushalten vorzusehen, um Kultur und Wohnen im Sinne einer zeitgemäßen und zukunftsgerichteten Stadtentwicklung besser miteinander in Einklang zu bringen.

Pamela Schobeß, politische Sprecherin der LiveKomm: „Der gezielte Schallschutz für Musikclubs und Festivals muss weiterhin eine zentrale Rolle in den stadtplanerischen Überlegungen von Bund, Ländern und Kommunen spielen. Nach den Entscheidungen der Bereinigungssitzung regen wir an zu prüfen, ob hierfür künftig Mittel aus der bestehenden Städtebauförderung oder anderen Budgets im Bauministerium eingesetzt werden können.“

Energiekosten: Kleine Musikclubs übermäßig belastet

LiveMusikKommission und Netzwerk Zukunft Feiern präsentieren Ergebnisse des Clubmonitorings zu Energieeffizienz und Klimaschutz in der Livemusikszene

Hamburg/Berlin, 16.06.2025 – Kleine Musikclubs in Deutschland stehen unter massivem finanziellem Druck. Grund dafür sind überdurchschnittlich hohe Energiekosten im Verhältnis zu größeren Spielstätten. Zu diesem Ergebnis kommt die erste bundesweite Umfrage von energiebezogenen Kennzahlen in Musikclubs, die der Bundesverband der Musikspielstätten (LiveKomm) in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Zukunft Feiern erhoben hat.

Erfasst wurden unter anderem Stromverbrauch, Fläche, Maximalkapazität und Veranstaltungsanzahl. Die daraus errechneten Durchschnittswerte liefern eine fundierte Grundlage für nachhaltige Transformationsprozesse in der Livemusikszene – erstmals mit branchenspezifischen Daten. Bisher wurden Musikspielstätten in Energieberatungen mit der Gastronomie verglichen, obwohl ihre Betriebsstruktur grundlegend anders funktioniert als beispielsweise Großküchen.

Kleine Clubs zahlen drauf

Besonders betroffen sind kleinere Clubs mit einer Kapazität unter 200 Personen. Sie verzeichnen im Verhältnis zur Veranstaltungsanzahl und Fläche einen drei- bis viermal höheren Energieverbrauch als größere Venues. Der Grund: Eine energetische Grundlast, etwa durch Getränkekühlung, Musikanlage, Licht- und Lüftungstechnik, fällt unabhängig von der Gästezahl an und skaliert nicht proportional mit dem Clubformat oder der Fläche.

“Diese finanzielle Mehrbelastung gefährdet das wirtschaftliche Überleben vieler Kulturbetriebe und damit die kulturelle Vielfalt der Clublandschaft.”, sagt Jette Krauß vom Clubkombinat Hamburg. „Die Headliner*innen von morgen stehen auf den kleinen Bühnen von heute. Doch ohne gezielte Förderung drohen viele dieser Orte zu verschwinden.“

Größere Konzerthallen und Arenen haben also deutlich geringere Energiekosten pro Gast und Quadratmeter und erwirtschaften durch höhere Ticketmargen mehr Gewinn. Jette Krauß macht deutlich: “Kleine und mittlere Venues sind enorm unterfinanziert. Mit den aktuellen Preissteigerungen ist ihr Geschäftsmodell kaum noch tragfähig. Ohne öffentliche Investitionen sind kulturelle Teilhabe und Vielfalt akut gefährdet.”

Fehlende Finanzierung für eine notwendige Transformation der Livemusikszene

Die wirtschaftlich angespannte Lage der vergangenen Jahre hat auch in der privatwirtschaftlich organisierten Kulturszene zu einem Investitionsstau geführt, der sich nun durch ineffiziente Haustechnik und sanierungsbedürftige Gebäude zeigt, die wiederum die Kostenspirale antreiben.

Im Juni 2025 läuft zusätzlich die Projektförderung der Initiative Musik für das Netzwerk Zukunft Feiern aus. Das Projekt unterstützte bundesweit Clubs und Festivals auf ihrem Weg zu einem nachhaltigeren Kulturbetrieb durch zahlreiche Beratungsangebote, kostenlose Schulungen und Vernetzungstreffen.

Das Auslaufen der Projektförderung trifft die Szene gerade in einer Zeit, in der finanzielle Herausforderungen zunehmen und eine langfristige strukturelle Unterstützung für die nachhaltige Transformation der Livemusikszene unerlässlich ist.

Die LiveKomm fordert daher die Einrichtung eines revolvierenden Investitionsfonds für die Livemusikszene. Dieser soll gezielt energieeffiziente Maßnahmen in Clubs und auf Festivals finanzieren. Durch die eingesparten Energiekosten kann eine Refinanzierung langfristig ermöglicht werden. Vor allem kleinere Spielstätten, die für eine vielfältige und zukunftsfähige Clubszene unerlässlich sind, würden so entlastet.

Clubkultur als nachhaltiger Leuchtturm

„Kulturstaatsminister Weimer spricht sich für Investitionen in kulturelle Infrastruktur aus und betont mit Blick auf die Biennale die Bedeutung von Innovation und Nachhaltigkeit“, sagt LiveKomm Vorstand Steffen Kache. „Die Clublandschaft kann mit vergleichsweise geringen Mitteln ein international sichtbares Vorbild für nachhaltige Kulturentwicklung werden. Dies wünschen sich sowohl Clubbetreiberinnen und Clubbetreiber wie auch Publikum. Doch ohne auskömmliche Förderungen und den Support von Netzwerken wie Zukunft Feiern wird die Umsetzung solcher Leuchttürme erschwert.”

Aufruf zur Vernetzung

Trotz auslaufender Projektförderung ruft das weiterhin aktive Netzwerk Zukunft Feiern Clubs und Veranstaltende bundesweit dazu auf, sich dem Projekt anzuschließen. Im gegenseitigen Austausch mit engagierten Akteur*innen können weiterhin nachhaltige Lösungen für eine klimafreundliche und wirtschaftlich tragfähige Clubkultur entwickelt und umgesetzt werden.“

Die Clubkultur leidet: Kostendruck bedroht kulturelle Vielfalt in Deutschland

Bundesweite Erhebung von Branchenzahlen liefert alarmierende Ergebnisse

Der Bundesverband der Musikspielstätten LiveKomm hat gemeinsam mit einigen größeren  Landesverbänden (u. a. Berlin, Hamburg, Köln) in einer Erhebung ein aktuelles Lagebild der Clublandschaft gezeichnet. Die Ergebnisse sind alarmierend: Mehr als die Hälfte der Musikspielstätten hat angegeben, aufgrund des akuten Kostendrucks in den kommenden zwölf Monaten den Betrieb nicht ohne staatliche Unterstützung weiterführen zu können. Damit gerät die Clubkultur als ein Grundpfeiler der Musikbranche insgesamt ins Wanken, denn musikalische Experimente und Auftritte von Nachwuchskünstler:innen sind unter diesen Voraussetzungen nicht mehr finanziell darstellbar.

In ihrem Grußwort zur Nachtkultur-Konferenz „Stadt Nach Acht“ am 24.10. betonte Claudia Roth den kulturellen Wert der Clubkultur für Demokratie und Diversität in Deutschland. Rund eine Woche später zeichnen aktuelle Branchenzahlen der LiveKomm jedoch ein  bedrückendes Bild vom aktuellen Zustand der deutschen Clublandschaft. Für viele Musikspielstätten hängt der Fortbestand als Konzertbühnen für Nachwuchsmusiker:innen am seidenen Faden.

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