Startschuss für den Live Music Fund Germany beim Reeperbahn Festival

Bundesstiftung LiveKultur stellt neue Brancheninitiative vor – Stimmen aus Politik, Kultur und Branche betonen Solidarität und Handlungsdruck

Beim Panel „Imagine Togetherness – Wie wir die Zukunft der Livemusik sichern“ auf dem Reeperbahn Festival wurde heute die Gründung des Live Music Fund Germany durch die Bundesstiftung LiveKultur offiziell bekannt gegeben. Der Fonds startet zum 1. Januar 2026 und will die Basis der Livemusikkultur – Clubs, Newcomer*innen, unabhängige Veranstaltende und Festivals – solidarisch absichern.

Der Fonds reagiert auf die enorme Schieflage in der Branche: Während Superstars Stadien füllen und Ticketpreise Rekordhöhen erreichen, kämpfen kleine und mittlere Spielstätten mit Kostenexplosionen, fehlender Planungssicherheit und Publikumsrückgang.

Das mediale Echo auf den Fonds fiel breit aus:

Einige Zitate aus der Paneldiskussion:

Benjamin Fischer – Wirtschaftsredakteur, Frankfurter Allgemeine
Zeitung

„Der britische Music Venue Trust ist das Vorbild – dort haben schon Stars wie
Coldplay, Katy Perry & Sam Fender verstanden, dass die Basis gesichert
werden muss.“

„Die Dringlichkeit ist da. Bilder ausverkaufter Stadien täuschen darüber
hinweg, wie stark die Grassroot Venues unter Druck stehen.“

Pamela Schobeß – Club Gretchen (Berlin), Vorstandsmitglied
LiveMusikKommission e.V.

„Unsere Umsatzrendite liegt unter 1 %. Junge Bands und Nischenprogramme
können wir ohne Unterstützung kaum noch stemmen.“

„Politik darf man nie aus der Verantwortung lassen – und die Großen müssen
in die Pflicht genommen werden, notfalls auch ohne Freiwilligkeit.“

Berthold Seliger – Geschäftsführer, Berthold Seliger – Büro für Musik,
Texte und Strategien

„In den Clubs schlägt das Herz der Livekultur – sie sind Möglichkeitsräume
und Wunschmaschinen. Ohne sie stirbt die Vielfalt.“

„Ich glaube nicht, dass die Großkonzerne freiwillig etwas abgeben. Die
Regeln muss die Politik setzen – fangen wir mit den Ticketingunternehmen
an.“

Carsten Brosda – Senator für Kultur und Medien, Hamburger Senat

„Die Idee des Fonds liegt seit Jahren auf dem Tisch. Aus der Branche heraus
anzufangen ist ein wichtiger Schritt, jetzt müssen auch die Großen
mitziehen.“

„Wir dürfen nicht um das Instrument streiten, sondern um das Problem. Wer
heute von Superstars profitiert, muss helfen, die Basis zu sichern.“

„Der Musikmarkt wächst insgesamt, doch die Verschiebungen zugunsten der
Superstars sind enorm. Wir müssen uns fragen, wer in zehn Jahren diese
Superstars überhaupt noch sein werden. Deshalb brauchen wir eine Abgabe,
mit der Mittel von den großen Unternehmen abgeschöpft und wieder in die
Breite des Marktes zurückgeführt werden.“

Christopher Annen – Vorstandsmitglied, Pro Musik

„Es geht darum, Mittel von den Großen an die Kleinen umzuleiten, damit das
Ökosystem aus Musiker*innen, Clubs und Labels lebendig bleibt.“

Martin Rabanus (SPD) – Sprecher für Kultur und Medien, SPD-Arbeitsgruppe Kultur und Medien

„Ich habe ein Problem mit reiner Freiwilligkeit – warum sollten große Player
freiwillig abgeben? Es braucht klare Regeln und im Zweifel ein Gesetz.“

„Den Nachwuchsmusiker*innen eine Bühne zu geben, ist das große Potenzial
des Fonds. Das ist ein mutiger Schritt nach vorn.“

David Schliesing (Die Linke) – Mitglied des Bundestages

„Die Freiheit der Kunst wird zur Illusion, wenn sie im Alltag an der
Finanzierung scheitert.“

„Mein Glaube daran, dass der Markt das allein regelt, ist gering. Wir müssen
präventiv tätig werden und das Thema im Ausschuss auf die Agenda setzen
– es ist besser, früh zu handeln, als später nur zu reagieren.“

„An der Basis erodieren Clubs und kleine Veranstalter. Was nützt mir eine
Kulturszene, wenn sie nicht mehr da ist?“

Detlef Schwarte – Direktor, Reeperbahn Festival

„Das Motto des Reeperbahn Festivals lautet ‚Imagine Togetherness‘ – der
Live Music Fund ist genau dafür ein Paradebeispiel.“

„Nur wenn wir kollektiv denken und handeln, können wir die Livemusikkultur
langfristig sichern.“

Felix Grädler – Initiator Live Music Fund, Vorstand Bundesstiftung
LiveKultur

„Der Vorteil gegenüber einer staatlichen Zwangsabgabe ist: Wir können als
Branche selbst austarieren, wohin die Gelder fließen – realitätsnah,
solidarisch und nicht politisch getrieben.“

„Die Idee ist ja: Die Stars von heute finanzieren die Stars von morgen. Wir
sind halt Idealisten – und hoffen auf die Solidarität der gesamten Branche.“

Isabel Roudsarabi – Mitgründerin & Geschäftsführerin, Höme

„Es ist schade, dass wieder die Käufer*innen zahlen müssen, während große
Ticketingunternehmen außen vor bleiben.“

„Wir brauchen einen Dialog auf Augenhöhe mit den Großen, damit sie ihr
Geschäftsmodell so ändern, dass es für alle besser wird.“


Über den Fonds

Der Live Music Fund Germany wird ab 2026 über Ticketplattformen,
Spielstätten und Veranstalter*innen als solidarische Abgabe und freiwillige
Spendenfunktion umgesetzt. Die Mittel fließen in drei Fördersäulen:

  1. Nachwuchs- und Clubförderung – Unterstützung kleiner
    Spielstätten, Ersttourneen und Festivals.
  2. Auslastungsversicherung für mittlere Konzerte – Zuschüsse für
    defizitäre Veranstaltungen bis 2.000 Besucher*innen.
  3. Strukturelle Maßnahmen – Förderung von Nachhaltigkeit, Inklusion,
    Diversität und Ausbildung.

Mehr als 30 Gründungspartner*innen aus Clubs, Festivals, Verbänden und
Ticketing unterstützen den Fonds bereits.

Die LiveKomm & Friends beim Reeperbahnfestival 2025 – vollständiges Programm

Nachtökonomie und Stadtplanung, Häkken
14:00 – 15:00 Uhr

Moderation:  Julia Staron (Quartiermanagerin)

Speaker*innen:

Dr. Jakob F. Schmid (Stadtplaner & Experte für Nachtökonomie)
Tilo Buchholz (Popbeauftragter der Stadt Freiburg)
Lukas Kaiser (Behörde für Kultur und Medien Hamburg / Referent Elbphilharmonie + Live Music Clubs)
Pamela Schobess (Gretchen (Club in Berlin), LiveMusikKommission e.V. / Vorstandsmitglied)

Die Nachtökonomie ist ein zentraler Motor für Kultur, Stadtentwicklung und internationale Sichtbarkeit Hamburgs. Doch wie lässt sich das Spannungsfeld zwischen Stadtplanung, Anwohnerinteressen, Kulturwirtschaft und Tourismus konstruktiv gestalten? Ausgangspunkt ist die aktuelle Studie zur Nachtökonomie in Hamburg – das Panel diskutiert, wie aus Analysen konkrete Strategien und Maßnahmen für die Stadt entstehen können.

Das Ziel ist es, Best-Practice-Beispiele, politische Perspektiven und lokale Handlungsansätze zusammenzuführen und den Austausch zwischen Verwaltung, Szene und Stadtentwicklung zu fördern.

AG „Clubs 1.000“ der LiveKomm, East Hotel
16:00 – 17:30 Uhr

Im ersten Teil (ca. 30 Minuten) wollen wir euch 5 spannende Elevator Pitches vorstellen – jeweils max. 5 Minuten – von Projekten, Anbieterinnen oder Ideen, die für größere Musikspielstätten von überregionalem Interesse sind (z. B. innovative Veranstaltungskonzepte, neue Technologien, Ticketing- oder Payment-Lösungen, Tools für Besucherinnen-Kommunikation etc.).

Anschließend geht es in den offenen Austausch: Welche Herausforderungen treiben euch aktuell um? Wo gibt es Kooperationspotenzial innerhalb des Netzwerks? Was brauchen große Clubs von der LiveKomm?

Zur inhaltlichen Vorbereitung freuen wir uns auf eure kurze Mitwirkung in folgendem Fragebogen:

Umfrage Clubs 1.000

Good Morning Musikwirtschaft, B2BEERGARDEN
10:00 – 11:30 Uhr

Während das Reeperbahn Festival 2025 so richtig loslegt, laden die Verbände des Forum Musikwirtschaft zum Frühstück ein. Wir möchten Sie bei Kaffee und Croissants treffen und Sie mit Vertreter*innen aus der gesamten Musikwirtschaft, Politik und Medien zusammenbringen. Starten Sie mit uns in den Festival-Donnerstag!“

Anmeldungs-Link:

https://form.jotform.com/250993154534057

Green Touring Tools: Cooprog Music, Infosession, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
10:00 – 10:30 Uhr

Speaker*innen:

Jakob Fraisse
Sybille Kornitschky
 
Ein von der jazzahead! Fachmesse & Festival mit entwickeltes „grünes“ Tool macht sich auf den Weg, den Live-Musikmarkt nachhaltig zu verändern und zu verbessern. Musiker:innen aufgepasst: Wir wollen mehr Gigs für euch generieren, auf kleinen und großen Bühnen. Veranstalter:innen aufgepasst: Wir wollen eure Kommunikation untereinander vereinfachen, eure Zusammenarbeit fördern und euch gleichzeitig finanziell entlasten, indem wir euch in ökologisch sinnvolle Touren einbinden. Wir verbinden Netzwerke und machen sie für unsere vielversprechendsten Künstler:innen und Bands in und aus Europa nutzbar. Im Rahmen der Veranstaltung wird das in einem partizipativen Prozess in Kooperation mit Zone Franche und ONDA entwickelte Tool Cooprog Music sowie die jazzahead! Green Touring Initiative vorgestellt. 

Green is the Plan – Nachhaltigkeit als Führungsfrage, Panel, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
10:45 bis 11:45 Uhr

Moderation:  Jette Krauss (Projektkoordinatorin Nachhaltigkeit beim Clubkombinat Hamburg e.V.)

Speaker*innen:

Dr. Birte Jung (Greener Fête de la Musique) 
Lena Hansen (Nachhaltigkeitswissenschaftlerin) 
Heike Gronholz (Geschäftsführerin altonale GmbH)

Ob Club, Festival oder Großevent – ökonomische Nachhaltigkeit ist längst zur Schlüsselfrage der Zukunftsfähigkeit in der LiveKultur geworden. Steigende Kosten, neue Förderlogiken, veränderte Erwartungen von Partnern und Publikum sowie ein wachsender Konkurrenzdruck fordern eine strategische Ausrichtung, bei der ökonomische und ökologische Ziele zusammengedacht werden müssen.
Zertifizierungsmodelle spielen dabei eine immer größere Rolle: Sie versprechen Orientierung, Glaubwürdigkeit und besseren Zugang zu Fördermitteln. Gleichzeitig wachsen Druck und Aufwand – denn viele Programme stellen hohe Ansprüche, die in der Realität oft schwer umsetzbar sind. Wie praktikabel sind diese Standards für kleinere und mittlere Veranstaltungsformate? Wie verändert sich unter Zertifizierungsbedingungen der wirtschaftliche Handlungsspielraum?
Dieses Panel diskutiert die ökonomische Dimension nachhaltiger Veranstaltungsplanung – zwischen strategischem Anspruch und praktischer Umsetzung. Im Zentrum stehen Erfahrungen mit Zertifizierungssystemen, ihre betriebswirtschaftlichen Implikationen und die Frage, wie Nachhaltigkeit zum echten Wettbewerbsvorteil werden kann, ohne zur überfordernden Pflichtübung zu geraten.


Re-Connect: Wie Festivals die Gen Z (wieder) erreichen können, Panel, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
12:00 bis 13:00 Uhr

Moderation: Catherin Freudenberger (Blacksheep-Festival) 

Speaker*innen:

Emma Wolf (Content Creative)
Rembert Stiewe (Orange Blossom Special Festival)
Doran Martens (Festival Am Waldrand) 

Das Festival als Ort der Begegnung funktioniert nur, wenn alle eingeladen sind – und sich eingeladen fühlen. Doch die Gen Z tickt anders: politischer, fragmentierter, digitaler – und zugleich oft prekarisiert. Wie können Festivals inhaltlich, strukturell und atmosphärisch Räume schaffen, die für junge Menschen wirklich relevant sind?


Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt”(?) – über Kunstfreiheit in Deutschland & politische Einflussnahme, Panel, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
13:30 bis 14:30 Uhr

Moderation:  Anna Blaich (2. Vorsitzende Bundesstiftung LiveKultur)

Speaker*innen:

Katja Lucker (GF Initiative Musik gGmbH)
Mankel Brinkmann (1. Vorsitzender LiveMusikKommission e.V.) 


Politisch sein – ja, aber wie, für wen und mit welchem Preis? Die LiveKultur steht zunehmend unter dem Druck gesellschaftlicher und politischer Erwartungshaltungen: Diversität, Inklusion, Haltung zeigen – aber auch Ticketverkäufe sichern, Auflagen erfüllen, Förderrichtlinien einhalten. Die Frage, wie sich das eigene Werteverständnis mit den Anforderungen von Fördermittelgeber:innen, Sponsor:innen und Publikum in Einklang bringen lässt, wird zur zentralen strategischen und ethischen Herausforderung.
Dieses Panel nimmt die Metaebene in den Blick: Es geht um strukturelle Spannungsfelder zwischen Anspruch und Realität, zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Positionierung – und um die Frage, wie viel Raum Festivalmacher:innen heute wirklich haben.

„Who Owns the Stage?“ – Machtfragen in der LiveKultur, Panel der Bundesstiftung Livekultur, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
15:00 bis 16:00 Uhr

Moderation:  Rike van Kleef (Autorin) 

Speaker*innen:
MINE (Musikerin) 
Ariane Mohr (Head of Booking Reeperbahnfestival, Mentorin) 
Danièle Dondé (Freiberufliche Kulturmanagerin, Mentee) 
Pamela Owusu-Brenyah (Kuratorin & Festival Booker (Freelance)

Festivals und Clubs gelten als Orte des kollektiven Erlebens, der Offenheit, der Vision. Doch wer gestaltet diese Räume wirklich – inhaltlich, ästhetisch, organisatorisch? Und wessen Perspektiven fehlen systematisch?
Dieses Panel öffnet den Blick auf die Bühne als symbolischen wie strukturellen Ort gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Es fragt nicht nur, wer auftritt – sondern auch: Wer kuratiert? Wer organisiert? Wer hat Entscheidungsmacht über Sichtbarkeit, Ressourcen, Ästhetik und Atmosphäre? Wer darf scheitern, wer muss sich beweisen? Im Zentrum steht die These: Die Bühne gehört nicht einfach „allen“. Ihre vermeintliche Offenheit basiert auf historisch gewachsenen Ausschlüssen, unsichtbaren Hierarchien und ästhetischen Normen. Die Festivalproduktion und das Clubleben ist ein kulturelles Betriebssystem – und dieses Betriebssystem muss aktualisiert werden, wenn Teilhabe mehr sein soll als Imagepflege. Im Fokus steht das Mentoringprogramm „FLINTA+ in der LiveKultur“ der Bundesstiftung LiveKultur, dass dort ansetzt, wo Veränderung beginnt: bei jenen, die Sichtbarkeit, Räume und neue Narrative gestalten – auf, vor und hinter der Bühne.

Helga Festival Award 2025, Knust
16:00 bis 17:00 Uhr

Der Helga! Festival Award wird seit 2013 im Rahmen des Reeperbahn Festivals vergeben und zeichnet die besten nationalen Festivals des Jahres aus.

Jedes Jahr prämiert eine hochkarätige, mehrköpfige Fachjury die heißesten, kreativsten, lustigsten und blumigsten Festivals der Nation in fünf verschiedenen Kategorien. Auch alle Festivalfans sind gefragt, Teil der Jury zu sein und können im Public Voting jährlich für ihr Lieblingsfestival abstimmen.

In Zusammenarbeit mit HÖME – “Zuhause der Festivalkultur” und dem Reeperbahnfestival ist die LiveKomm Medien-, Kommunikations- und Kompetenzpartnerin.

Hier geht’s zur Anmeldung (Zugang nur mit RBF-Akkreditierung):

https://tickets.infield.live/event/helga-festival-award-2025-zexih5

FLINTA* & Friends by Keychange, MEWEM, Bundes­stiftung LiveKultur, faemm, Music Women* Germany, Bermuda Bar
17:00 bis 20:00 Uhr

Wir sind uns einig: FLINTA* gehören nicht nur auf die Bühne, sondern auch hinter und vor sie – in die Technik, die Produktion, das Booking, die Entscheidungsräume. Doch wer echte Veränderung will, braucht mehr als Sichtbarkeit: Es braucht Austausch, Solidarität, Verbündete – und Räume, in denen wir uns sicher begegnen und gegenseitig stärken können.

Deshalb laden Keychange, MEWEM, die Bundesstiftung Livekultur, faemm und Music Women* Germany während des Reeperbahn Festivals zu einem gemeinsamen Networking-Event ein. Ob ihr euch schon kennt oder zum ersten Mal dabei seid – dieser Abend gehört FLINTA* und ihren Allies: Als Raum für Begegnung, Perspektivwechsel und Verbindung.

Gemeinsam schaffen wir Platz für ehrliche Gespräche, empowernde Impulse und neue Allianzen. Denn viele sehen die Lücken in der Branche längst – lasst uns zusammen daran arbeiten, dass sie geschlossen werden. An den Decks sorgen AZLAY (Festsaal Kreuzberg, Chief Brody & Fusion) und Punani (Mensch Meier, Berlin) für den richtigen Soundtrack des Abends.

Let’s change the system – together.

Reception of Receptions, präsentiert von Future of Festivals, Taubenstraße
18:00 bis 23:00 Uhr

Fünf Stunden. Zehn Festivals. Ein Bus. Eine Rezeption nach der anderen. In 30-Minuten-Slots präsentieren sich Festivals, treffen auf Dienstleisterinnen, Partnerinnen und Fans.

Forum Musikwirtschaft: Together we stand, divided we fall, East Hotel, Amber Room

11:45 bis 12:45 Uhr

Moderation: Kleopatra Tümmler (IMUC)

Speaker*innen:

Mankel Brinkmann (Hush Hush GmbH, 1. Vorsitzender LiveMusikKommission)
Dr. Jonas Haentjes (Edel SE & Co. KGaA / CEO)
Verena Bößmann (Dunstan Music GbR / Mitinhaberin)
Johanna Holthöwer (handwerker promotion e. gmbh / Geschäftsführerin)

Das Ökosystem Musikwirtschaft wächst. Das ist die Kernbotschaft der Studie zur Musikwirtschaft 2024. Keine andere Branche in Deutschland ist enger verzahnt und trägt somit Erfolge, aber auch Risiken gemeinsam. Gleichzeitig ist der Markt im Wandel, was national genauso wie international Konzernstrukturen begünstigt. Vor allem im Live- und Recorded Bereich ist dies sichtbar und der Verlust der kulturellen Vielfalt wird heraufbeschworen. Verbandsübergreifend analysieren wir die aktuellen Entwicklungen und diskutieren Modelle, die das Ökosystem aus klein und groß vital halten können. Was brauchen unabhängige Labels und Veranstaltende, welche Rolle können die Konzerne spielen und welche Stellschrauben hat die Politik, um kreative Strukturen und den „Circle of Live“ langfristig zu stärken? 


Imagine all the people. Was brauchen unsere Leute in der Arbeitsrealität?, Panel des Forums Veranstaltungswirtschaft, EAST Olive & Pepper

13:30 bis 14:30 Uhr

Moderation:
Johannes Everke (BDKV e.V. / Geschäftsführer)

Speaker*innen:
Marion Schöne (Olympiapark München / CEO)
Marcus Pohl (isdv. e.V. / 1. Vorsitzender)
Barbara Loth (Rechtsanwältin für Arbeitsrecht)

„Imagine togetherness“ in den Jobs: wie können wir in der Veranstaltungswirtschaft besser zusammenarbeiten? Welche Hürden bestehen für Diversität und die Integration aller? Braucht es neue Arbeitszeitmodelle und welche Rahmenbedingungen müssen wir für Selbständige schaffen? 

Die Veranstaltungswirtschaft tickt anders – mit besonderen Geschäftsmodellen, unregelmäßigen Einsatzzeiten und viel Projektarbeit. Damit tun sich nicht nur Gesetzgeber und Behörden schwer. Wir durchleuchten, was und wozu sich einiges ändern muss, damit wir rechtssichere Bedingungen schaffen, ein attraktiver Arbeitsmarkt bleiben und neue Talente anziehen können. 


1.800 Festivals. Eine Studie. Was die Festivalstudie über Musik, Publikum und Perspektiven zeigt, East Bacardi Lounge

14.45 Uhr – 15.45 Uhr

Imagine Tog­e­ther­ness: Wie wir die Zukunft der Live­mu­sik sichern: Ein solidarisches Modell zugunsten von Clubs, Künstler*innen und Veranstaltenden Session, East Hotel / Olive + Pepper
16.00 – 17.30 Uhr

Moderation:
Daniel Koch, Freier Journalist

Speaker*innen:
Benjamin Fischer, Frankfurter Allgemeine Zeitung / Wirtschaftsredakteur
Pamela Schobess, Gretchen, LiveKomm / Vorstandsmitglied
Berthold Seliger, Berthold Seliger – Büro für Musik, Texte und Strategien / Geschäftsführer
Carsten Brosda, Hamburger Senat, Senator der Hamburger Behörde für Kultur und Medien
Christopher Annen, Pro Musik / Vorstandsmitglied
Martin Rabanus, MdB, SPD, Sprecher der SPD-Arbeitsgrupper Kultur und Medien
David Schliesing, MdB, Die Linke
Detlef Schwarte, Reeperbahn Festival / Direktor
Karsten Schölermann (DE), Bundesstiftung LiveKultur / Vorstandsmitglied
Felix Grädler, Bundesstiftung LiveKultur, halle02 GmbH
Isabel Roudsarabi, Höme Mitgründerin & Geschäftsführerin @ Höme

Einerseits Superstars, Stadionshows und Spitzenpreise für Konzerttickets. Andererseits Konzertabsagen, Clubsterben und ein Feuerwerk der Nebenkosten – die Geschäftsgrundlage an der Basis der Kultur für Konzerte steht unter massivem Druck.

Dem Vorschlag einer Internet-Steuer folgend, mittels Umverteilung dank einer Ticket-Tax wie in Frankreich auf eine staatliche Regelung zu setzen? Könnte die Verpflichtung einer Abgabe auf Konzerttickets ähnlich wie die Filmabgabe für Kinos das Problem der Ungleichheit beheben? Oder frei nach dem Motto ‚Imagine Togetherness‘ eine neue Idee wagen: Der Live Music Fund Germany. Eine Initiative aus der Branche für die Branche.

Ein Fonds, inspiriert vom britischen Music Venue Trust, der kleine Spielstätten und Festivals, Newcomer:innen und unabhängige Veranstalter:innen absichert – solidarisch co-finanziert von jenen, die vom Boom profitieren.

Eine Gesprächsrunde mit Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft, Veranstalter:innen und Künstler:innen. Zur Debatte steht, wie ein solcher Fonds funktionieren kann, welche Hürden zu nehmen sind – und warum es genau jetzt einen „Circle of Live“ braucht.

PressemitteilungFestivalstudie 2025: Vielfalt in Gefahr – LiveKomm fordert entschlossenes Handeln

Hamburg, den 10. September 2025 – Zum ersten Mal liegt mit der neuen Festivalstudie Deutschland eine systematische Bestandsaufnahme der Musikfestivallandschaft vor. Sie wurde auf Grundlage einer bundesweiten Vollerhebung unter 1.764 Veranstaltenden durchgeführt – 639 Rückmeldungen liefern eine valide und repräsentative Datengrundlage.

„Endlich haben wir belastbare Zahlen zur Situation der Festivals in Deutschland“, betont Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveMusikKommission e.V. (LiveKomm), der Bundesverband der Musikspielstätten. „Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, wie vielfältig und relevant Festivals für Kultur, Gesellschaft und Regionen sind – gleichzeitig aber auch, wie groß die Gefahren für ihre Zukunft sind.“

Die Ergebnisse der Studie sind ambivalent: Einerseits dokumentiert die Studie die enorme kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Bedeutung der Festivals in Deutschland. Andererseits macht sie deutlich, dass viele Veranstaltende unter existenziellen wirtschaftlichen Zwängen stehen.

Bedrohlicher Trend

Nahezu ein Drittel der Festivals schreibt Verluste, jedes zehnte Pop-Festival ist in seiner Durchführung akut gefährdet. Steigende Kosten, unvorhersehbare Ticketverkäufe und eine wachsende Marktkonzentration drohen gerade kleine und mittlere Formate dauerhaft vom Markt zu verdrängen.

Ehrenamt als Fundament – politische Absicherung erforderlich

Trotzdem tragen Festivals entscheidend zum kulturellen Reichtum Deutschlands bei: Sie vereinen Genres, schaffen Plattformen für Nachwuchs und vernetzen lokale Szenen. In vielen, gerade ländlichen Gegenden sind sie zudem Orte gelebter Diversität und demokratischen Miteinanders, insbesondere für junge Menschen. Auffällig: 79 Prozent aller Festivals stützen sich auf ehrenamtliche Arbeit. Ohne diesen Einsatz Freiwilliger wäre die deutsche Festivallandschaft schlicht nicht denkbar.

„Unsere Festivals sind Motor der kulturellen Vielfalt – und zugleich an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Studie zeigt, wie unverzichtbar das Ehrenamt ist. Aber Engagement allein reicht nicht: Wir brauchen dringend politische Rahmenbedingungen, die Festivals ökonomisch absichern und damit kulturelle Teilhabe für alle ermöglichen“, warnt Mankel Brinkmann, 1. Vorsitzender der LiveKomm.

LiveKomm fordert politische Antworten

Die LiveKomm ruft Bund, Länder und Kommunen auf, die Ergebnisse ernst zu nehmen. Notwendig sind strukturelle Förderinstrumente für Artist-Honorare, Infrastruktur und künstlerische sowie berufliche Nachwuchsarbeit, um das Überleben der kleinen und mittleren Festivals und damit die kulturelle Vielfalt in Deutschland langfristig zu sichern. Insbesondere nötig ist eine Absicherung jener ehrenamtlichen Strukturen, auf denen die deutsche Festivallandschaft fußt. Des Weiteren braucht es schlanke, entbürokratisierte Förderverfahren, die Planungssicherheit für Veranstaltende schaffen.

Zu den Ergebnissen der Studie:

Pressemitteilung – Corona-Enquete: Livemusik-Szene braucht im Pandemiefall flächendeckend verlässliche Hilfe

Flickenteppich und komplizierte Abwicklung gefährden auch heute noch Clubs und Festivals

Die LiveKomm, der Bundesverband der Livemusik-Spielstätten, begrüßt den Einsatz einer Corona-Enquete-Kommission ab September. Um für künftige Pandemiefälle gerüstet zu sein, müssen auch Versäumnisse adressiert werden – denn trotz umfangreicher finanzieller Hilfen litten und leiden Venues unter dem behördlichen Flickenteppich in Zuge der Abwicklung.

Die Corona-Pandemie war ein massiver Einschnitt für die Live-Branche – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch strukturell, sozial und psychologisch. Clubs, kleine Konzertbühnen und soziokulturelle Orte waren unter den ersten Einrichtungen, die schließen mussten – und unter den letzten, die wieder ohne Einschränkungen öffnen durften. Die Club-Schließungen, Festival-Absagen und Hilferufe, die wir heute beobachten, sind oft Spätfolgen dieser jahrelangen Belastung.

In der Pandemie konnten Verbände wie die LiveMusikKommission (kurz LiveKomm) als Sprachrohr fungieren und den politischen Dialog intensivieren, um die Anliegen der Kultur zu transportieren. Das war ein Fortschritt. Vielen Musikclubs konnten mit Programmen wie NEUSTART KULTUR über diese schwere Zeit gerettet werden.

Politische Lehren, die aus der Pandemie zu ziehen sind:

  1. Es fehlt nach wie vor ein strukturelles Sicherheitsnetz für private Kulturbetriebe. Hilfen kamen oft zu spät, waren zu bürokratisch oder schlicht nicht auf die Realitäten von nicht-kommerziellen Veranstaltungsbetrieben zugeschnitten.
  2. Einige Bundesländer reagierten relativ schnell und unkompliziert. Die Bearbeitung der Schlussabrechnungen durch die Abwicklungsstellen der Bundesländer erfolgte jedoch höchst unterschiedlich – so entstand eine Ungleichbehandlung der Musikspielstätten. Nicht selten mussten und müssen sich Verwaltungsgerichte in aufwändigen, langwierigen Prozessen damit befassen. Die Unterstützung durch den Staat wurde vielfach herausgestellt, die Rückforderungen stehen weniger im medialen Fokus.

Die sogenannten freiwilligen „Billigkeitsleistungen“ des Staates sahen u.a. ab März/April 2022 sofortige Öffnungspflichten vor. Das Spezifikum von kulturellen Veranstaltungsbetrieben, die nach monatelangem Stillstand ein Live-Programm nicht sofort realisieren können, wird bislang nicht gesehen. 

Zudem wurden in einigen Fällen die Kriterien für die Förderung erst im Nachhinein präzisiert.

  • Es gibt keine Krisenvorsorge für zukünftige Situationen: keine Notfallpläne, keine automatisierten Ausfallfonds, keine abgestimmten Kommunikationswege und keine Hilfsgrenzen. Letztere sollten den höchst unterschiedlichen Bedarfen Rechnung tragen und für Konzerne mit einem Umsatzvolumen von z.B. über 500 Mio. Euro gelten.
  • Die soziale Infrastruktur der Kulturarbeit – also solo-selbstständige Menschen hinter den Kulissen, Technik-Crews, Booker*innen, Awareness-Teams – wurde nicht mitgedacht. Gerade im Vergleich zu antragsstellenden Unternehmen waren die Hilfestellungen für diese Gruppe von Betroffenen mehr als ungenügend.
    Mit dem Arbeitslosengeld II wurden hilfsbedürftige Menschen gebrandmarkt und negativ kategorisiert – mit allen Pflichten.
    Viele haben die Branche verlassen und den Fachkräftemangel verschärft.
  • Es fehlt an verlässlicher politischer Anerkennung: Auch heute, zwei Jahre nach dem Ende der Maßnahmen, kämpfen viele Clubs um existenzsichernde Grundlagen.

Was wünschen wir uns für die Zukunft?

Für den Kultur- und speziell den Clubbereich braucht es:

  • Ein pandemiefestes Förderinstrumentarium, das im Ernstfall greift – ohne monatelanges Warten oder unklare Zuständigkeiten.
  • Rechtssicherheit und Kommunikation: Einheitliche Regelungen, transparente Kriterien, Einbeziehung der Kulturakteure in Entscheidungsprozesse.
  • Nachhaltige Strukturförderung, nicht nur Krisenbewältigung. Wenn wir resiliente Kulturlandschaften wollen, müssen Räume, Personal und Programme langfristig unterstützt werden.
  • Politische Mitgestaltung legitimiert sich durch die Betroffenheit von Entscheidungen: Die Szene hat gezeigt, dass sie Verantwortung übernehmen kann. Dafür sollte ihr auch dauerhaft eine Stimme im politischen Prozess gegeben werden.

In die Arbeit der Enquete-Kommission sollte auch die Perspektive des Kultursektors einfließen. Denn: Die Livekultur ist mehr als nur Nachtleben – sie ist Teil der kulturellen DNA dieses Landes. Wir hoffen, dass die Enquete-Kommission den Mut hat, nicht nur Fehler zu analysieren, sondern auch strukturelle Konsequenzen zu empfehlen.

LiveKomm warnt eindringlich vor kultureller Abrissbirne

Stellungnahme des Bundesverbands der Musikspielstätten zum Referentenentwurf des „Bau-Turbo“

Die LiveMusikKommission e.V. (kurz LiveKomm) – der Bundesverband der Musikspielstätten in Deutschland – erkennt im aktuellen Referentenentwurf des „Bau-Turbo“-Gesetzes erhebliche Risiken für die deutsche Club- und Livemusiklandschaft. Während die LiveKomm die Notwendigkeit von mehr bezahlbarem Wohnraum ebenfalls anerkennt, warnt der Verband vor den unbeabsichtigten Folgen der geplanten Flexibilisierungen: der systematischen Verdrängung kultureller Orte durch die heranrückende Wohnbebauung.

„Vor vier Jahren einigten sich die demokratischen Parteien im Bundestag fraktionsübergreifend darauf, Clubs als Kulturorte anzuerkennen. Der damit verbundene gesetzgeberische Auftrag wurde von den verantwortlichen Ministerien nur schleppend an- und aufgenommen. Wir fordern die Bundesregierung auf, in den laufenden Gesetzgebungsprozess verbindliche Schutzregelungen für kulturelle Orte einzubeziehen. Lebenswerte Städte bestehen nicht nur aus Wohnraum – wir brauchen Lösungen, um die lebendige Club- und Festivalszene im Bau-Turbo nicht zu verlieren“, so Iris Hinze, Sprecherin der AG Kulturraumschutz der LiveKomm.

Der aktuelle Entwurf zum „Bau-Turbo“ verschärft die problematische Situation: Die geplanten Änderungen in § 246e sowie die Ausnahmen nach §§ 31 und 34 BauGB schaffen zwar neue städtebauliche Spielräume für schnelleren Wohnungsbau, enthalten jedoch keine verbindlichen Schutzmaßnahmen für bestehende kulturelle Infrastrukturen.

Ein wirksamer Schutz der kulturellen Infrastrukturen ist unbedingt erforderlich. Die positiven Effekte des Entwurfs für das kulturelle Leben hängen maßgeblich davon ab, wie Kommunen die neuen Spielräume nutzen – und ob sie bei der Wohnraumentwicklung Rücksicht auf existierende Kulturorte nehmen.

Kernforderungen der LiveKomm:

1. Integration des Agent-of-Change-Prinzips in das Baugesetzbuch

2. Verstetigung eines Bundesschallschutzprogramms mit 40 Millionen Euro jährlich

3. Novellierung der Baunutzungsverordnung zur Anerkennung von Clubs als kulturelle Orte

4. Verlegung der Schallmesspunkte bei Wohngebäuden mit Schallschutzmaßnahmen nach innen und keine Zuordnung von Schallimmissionen durch An- und Abreise der Gäste zu Veranstaltungsbetrieben

5. Einbindung der LiveKomm im Rahmen einer Verbändeanhörung

Zur Erläuterung im Einzelnen:

Die vorgesehene Flexibilisierung im Umgang mit der TA Lärm, etwa durch ihre Ausweisung als Orientierungshilfe, begrüßt die LiveKomm grundsätzlich. Zugleich ersetzt dies keine klare rechtliche Absicherung kultureller Nutzung. Ohne verbindliche Vorkehrungen droht eine einseitige Gewichtung zugunsten des Schallschutzes bei Wohnnutzung – zu Lasten kultureller Vielfalt und urbaner Attraktivität.

Schallimmissionen durch An- und Abreise der Gäste sollen nicht mehr den Veranstaltungsbetrieben zugeordnet werden, da diese eine wichtige soziale, kulturelle und wirtschaftliche Funktion erfüllen und durch die aktuelle Regelung in den sich immer weiter verdichteten Innenstädten unter Existenzdruck geraten. Zudem ist die Verlegung des Messpunktes bei Wohngebäuden mit verpflichtenden Schallschutzmaßnahmen (z.B. Schallschutzfenster wie das HafenCity Fenster) nach innen erstrebenswert.

Die LiveKomm fordert die sofortige Integration des bewährten „Agent-of-Change“-Prinzips in das deutsche Baugesetzbuch. Dieses international erprobte Instrument – bereits angewendet in hochverdichteten Städten wie London, Melbourne und Amsterdam – stellt sicher, dass neue Nutzungen sich an den kulturellen Bestand anpassen müssen, nicht umgekehrt.

Konkret bedeutet das Agent-of-Change-Prinzip:

  • Wer in die Nähe einer bestehenden Musikspielstätte zieht oder baut, ist für die angemessenen, baulichen Schutzmaßnahmen verantwortlich
  • Schallschutzfenster, angepasste Grundrisse (z.B. Ausrichtung der Schlafzimmer) und technische Lärmminderung werden zur Pflicht für Neubauten
  • Bestehende kulturelle Orte genießen verbindlichen Bestandsschutz

Musikspielstätten sind zentrale kulturelle und soziale Treffpunkte. Ihre langfristige Existenz in den Städten muss gesichert werden. Dürftig und rücksichtslos geplante, heranrückende Wohnbebauung ist eine der größten städtebaulichen Problemfelder für bestehende Musikspielstätten, da sie häufig in Arealen angesiedelt sind, in denen ruhebedürftige Wohneinheiten bislang weit entfernt liegen.

Die Novelle des BauGB sollte genutzt werden, um stadtverträgliches Wachstum und kulturelle Vielfalt gemeinsam als Basis erfolgreicher, vielfältig gemischter Städte umzusetzen, wie die Neue Leipziger Charta hervorhebt. Eine klare gesetzliche Verankerung des Bestandsschutzes für kulturelle Infrastrukturen wäre ein bedeutender Schritt in diese Richtung.

Ein wichtiger Baustein ist bereits vorbereitet: Das geplante Pilotprojekt für ein Bundesschallschutzprogramm mit 3 Millionen Euro in zwei Jahren steht in den Startlöchern und kann – wie das sehr erfolgreiche Berliner Vorbild des „Schallschutzfonds“ –  aufzeigen, dass wirksamer Schallschutz in verdichteten Städten möglich ist. Die LiveKomm fordert einen möglichst umgehenden Start des Programms und eine dauerhafte Verstetigung mit mindestens 40 Millionen Euro jährlich im Haushalt, um dem bundesweiten Bedarf gerecht zu werden.

Erste erfolgreiche Modelle in Berlin und Köln zeigen: Gezielte Schallschutzförderung und die planungsrechtliche Berücksichtigung bestehender Kulturorte löst Nachbarschaftskonflikte konstruktiv, nachhaltig und erhält die kulturelle Vielfalt in unseren städtischen Gesellschaften anstatt sie zu Fall und zum Verschwinden zu bringen.

Zudem ist mit dem „Bau-Turbo“ die überfällige Novellierung der Baunutzungsverordnung endlich umzusetzen, um Musikclubs mit nachweisbar kulturellem Bezug als kulturelle Anlagen einzustufen. Seit zwei Bundesregierungen ist dieses Vorhaben nicht realisiert.

Die LiveKomm macht deutlich: Eine moderne, zeitgemäße Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert muss Wohnen und Kulturleben funktionsfähig zusammendenken. Nur so können Städte langfristig lebendig, vielfältig, attraktiv und sozial ausgewogen bleiben.

Pressemitteilung – Rechtsextremismus als Herausforderung für die Live-Branche: LiveKomm und der Bundesverband Mobile Beratung kooperieren

Um zunehmenden rechtsextremistischen Vorfällen zu begegnen, werden gemeinsam Beratungsangebote für Clubs und Festivals entwickelt

Clubs und Festivals verstehen sich als bunte Orte des gesellschaftlichen Miteinanders und der individuellen Freiheit. Gerade deshalb sind sie nicht selten Ziel rechtsextremistischer Angriffe. Wie können Betreiber*innen, Veranstalter*innen ebenso wie das Personal mit Bedrohungslagen und konkreten Übergriffen umgehen? Wie können sie rechte Codes erkennen, Künstler*innen im Grauzonenbereich korrekt einschätzen und notwendige Sicherheits- und Präventionskonzepte entwickeln?

Die LiveKomm, der Bundesverband der Musikspielstätten, setzt sich mit diesen und weiteren Fragen der ihr angeschlossenen Clubs und Festivals zum Thema Rechtsextremismus auseinander. Um künftig auf Expertise bauen zu können, kooperiert der Verband ab sofort mit dem Bundesverband Mobile Beratung (BMB). Der BMB vernetzt rund 50 Mobile Beratungsteams bundesweit, die beim Umgang mit Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Antifeminismus und Verschwörungserzählungen unterstützen.

Im Zuge der Kooperation werden Workshops zu Bedarfsthemen für die Mitglieder der LiveKomm angeboten. Im Rahmen von Veranstaltungen der Musikbranche sind auch öffentliche Einführungs-Workshops zum Thema Rechtsextremismus angedacht. Des Weiteren soll eine gemeinsame Broschüre erarbeiten werden, die Grundlagenwissen zum Thema Rechtsextremismus mit Blick auf die Livebranche vermittelt.

Stimmen zur Kooperation:

Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveKomm: „Rechtsradikalismus, sowohl strukturell wie auch individuell, stellt zunehmend ein Problem für unsere Mitglieder dar – das gilt längst nicht nur in Ostdeutschland. Die friedliebende Live-Szene ist ein zu naheliegendes Ziel für Attacken jeder Art. Wir wollen unsere Clubs und Festivals resilienter machen und ihnen Unterstützung bieten.“

Grit Hanneforth, Geschäftsführerin des BMB: „Seit über 20 Jahren unterstützt Mobile Beratung Menschen, die Haltung zeigen wollen gegen Rechtsextremismus und für Demokratie. Die Teams sind bis ins kleinste Dorf vernetzt, kennen rechtsextreme Akteure vor Ort und entwickeln gemeinsam mit den Beratungsnehmenden Strategien der Gegenwehr. Dieses Wissen möchten wir an die LiveKomm weitergeben – damit sich Festivals, Clubs und Konzerte handlungssicher fühlen, damit Feiern ohne rechtsextreme Störungen gelingt.“

Energiekosten: Kleine Musikclubs übermäßig belastet

LiveMusikKommission und Netzwerk Zukunft Feiern präsentieren Ergebnisse des Clubmonitorings zu Energieeffizienz und Klimaschutz in der Livemusikszene

Hamburg/Berlin, 16.06.2025 – Kleine Musikclubs in Deutschland stehen unter massivem finanziellem Druck. Grund dafür sind überdurchschnittlich hohe Energiekosten im Verhältnis zu größeren Spielstätten. Zu diesem Ergebnis kommt die erste bundesweite Umfrage von energiebezogenen Kennzahlen in Musikclubs, die der Bundesverband der Musikspielstätten (LiveKomm) in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Zukunft Feiern erhoben hat.

Erfasst wurden unter anderem Stromverbrauch, Fläche, Maximalkapazität und Veranstaltungsanzahl. Die daraus errechneten Durchschnittswerte liefern eine fundierte Grundlage für nachhaltige Transformationsprozesse in der Livemusikszene – erstmals mit branchenspezifischen Daten. Bisher wurden Musikspielstätten in Energieberatungen mit der Gastronomie verglichen, obwohl ihre Betriebsstruktur grundlegend anders funktioniert als beispielsweise Großküchen.

Kleine Clubs zahlen drauf

Besonders betroffen sind kleinere Clubs mit einer Kapazität unter 200 Personen. Sie verzeichnen im Verhältnis zur Veranstaltungsanzahl und Fläche einen drei- bis viermal höheren Energieverbrauch als größere Venues. Der Grund: Eine energetische Grundlast, etwa durch Getränkekühlung, Musikanlage, Licht- und Lüftungstechnik, fällt unabhängig von der Gästezahl an und skaliert nicht proportional mit dem Clubformat oder der Fläche.

“Diese finanzielle Mehrbelastung gefährdet das wirtschaftliche Überleben vieler Kulturbetriebe und damit die kulturelle Vielfalt der Clublandschaft.”, sagt Jette Krauß vom Clubkombinat Hamburg. „Die Headliner*innen von morgen stehen auf den kleinen Bühnen von heute. Doch ohne gezielte Förderung drohen viele dieser Orte zu verschwinden.“

Größere Konzerthallen und Arenen haben also deutlich geringere Energiekosten pro Gast und Quadratmeter und erwirtschaften durch höhere Ticketmargen mehr Gewinn. Jette Krauß macht deutlich: “Kleine und mittlere Venues sind enorm unterfinanziert. Mit den aktuellen Preissteigerungen ist ihr Geschäftsmodell kaum noch tragfähig. Ohne öffentliche Investitionen sind kulturelle Teilhabe und Vielfalt akut gefährdet.”

Fehlende Finanzierung für eine notwendige Transformation der Livemusikszene

Die wirtschaftlich angespannte Lage der vergangenen Jahre hat auch in der privatwirtschaftlich organisierten Kulturszene zu einem Investitionsstau geführt, der sich nun durch ineffiziente Haustechnik und sanierungsbedürftige Gebäude zeigt, die wiederum die Kostenspirale antreiben.

Im Juni 2025 läuft zusätzlich die Projektförderung der Initiative Musik für das Netzwerk Zukunft Feiern aus. Das Projekt unterstützte bundesweit Clubs und Festivals auf ihrem Weg zu einem nachhaltigeren Kulturbetrieb durch zahlreiche Beratungsangebote, kostenlose Schulungen und Vernetzungstreffen.

Das Auslaufen der Projektförderung trifft die Szene gerade in einer Zeit, in der finanzielle Herausforderungen zunehmen und eine langfristige strukturelle Unterstützung für die nachhaltige Transformation der Livemusikszene unerlässlich ist.

Die LiveKomm fordert daher die Einrichtung eines revolvierenden Investitionsfonds für die Livemusikszene. Dieser soll gezielt energieeffiziente Maßnahmen in Clubs und auf Festivals finanzieren. Durch die eingesparten Energiekosten kann eine Refinanzierung langfristig ermöglicht werden. Vor allem kleinere Spielstätten, die für eine vielfältige und zukunftsfähige Clubszene unerlässlich sind, würden so entlastet.

Clubkultur als nachhaltiger Leuchtturm

„Kulturstaatsminister Weimer spricht sich für Investitionen in kulturelle Infrastruktur aus und betont mit Blick auf die Biennale die Bedeutung von Innovation und Nachhaltigkeit“, sagt LiveKomm Vorstand Steffen Kache. „Die Clublandschaft kann mit vergleichsweise geringen Mitteln ein international sichtbares Vorbild für nachhaltige Kulturentwicklung werden. Dies wünschen sich sowohl Clubbetreiberinnen und Clubbetreiber wie auch Publikum. Doch ohne auskömmliche Förderungen und den Support von Netzwerken wie Zukunft Feiern wird die Umsetzung solcher Leuchttürme erschwert.”

Aufruf zur Vernetzung

Trotz auslaufender Projektförderung ruft das weiterhin aktive Netzwerk Zukunft Feiern Clubs und Veranstaltende bundesweit dazu auf, sich dem Projekt anzuschließen. Im gegenseitigen Austausch mit engagierten Akteur*innen können weiterhin nachhaltige Lösungen für eine klimafreundliche und wirtschaftlich tragfähige Clubkultur entwickelt und umgesetzt werden.“

Konzert-Zahlen 2024: Mega-Events boomen, Clubkonzerte stagnieren

Die Bundesstiftung LiveKultur will mit dem innovativen Live Music Fund Germany einen Ausgleich schaffen

Die jüngst von der GEMA veröffentlichten Zahlen zur Konzertlandschaft 2024 liefern auf den ersten Blick ein positives Bild: Über 70 Millionen Besucher*innen bei 250.000 Konzerten bedeuten ein neues Allzeithoch – mehr Menschen als je zuvor haben in Deutschland ein Konzert besucht. Immerhin 63 % der Besucher*innen und somit der größte Teil, nämlich über 44 Millionen besuchten dabei Konzerte in Clubs mit einer Kapazität von bis zu 2.000 Besucher*innen.

Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar: Das Fundament der Livemusik bleibt geschwächt, während Großevents boomen.

„Die Zahlen sind ein Weckruf mit zwei Botschaften: Ja, Livemusik lebt – aber sie wird an der Spitze fetter und an der Basis dünner,“ sagt Felix Grädler, Vorstand der Bundesstiftung LiveKultur sowie der LiveKomm. „Wir brauchen jetzt gemeinschaftliche Modelle wie den Live Music Fund Germany, um das Gleichgewicht im Ökosystem Livemusik wiederherzustellen.“

Clubkonzerte stagnieren – Großevents explodieren

Laut GEMA fanden über 91 % aller Konzerte im Jahr 2024 in Spielstätten mit maximal 500 Besucher*innen statt – das sind rund 228.842 Konzerte. Trotz eines leichten Zuwachses gegenüber 2023 liegt dieses Segment noch immer 5,9 % unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Gleichzeitig haben Mega-Konzerte mit über 50.000 Besucher*innen um 56 % zugelegt – das stärkste Wachstum aller Größenklassen.

Besonders alarmierend: Im Cluster „bis 500 Besucher*innen“ liegt die durchschnittliche Besuchendenzahl pro Konzert bei nur rund 122 Personen – deutlich unter einer wirtschaftlich tragfähigen Auslastung. Man könnte also auch sagen, dass die Live-Landschaft aus Grassroot-Konzerten besteht, bei denen niemand ausreichend verdient. Das unterstreicht, wie dringend dieser Bereich strukturell gestützt werden muss. Denn ohne kleine Konzerte, mit denen Newcomer zu kommenden Stars heranwachsen, werden auch Großevents künftig weniger werden – der „Circle of Live” wird zerstört.

„Diese Schieflage kann auf Dauer nicht gutgehen. Die Stars von morgen stehen in den Clubs von heute – aber genau dort fehlen die Mittel, um Risiken einzugehen und Newcomer*innen zu fördern,“ so Karsten Schölermann, der Vorsitzende der Bundesstiftung Livekultur.

Neuer Finanzierungsansatz: Der Live Music Fund als Antwort aus der Branche

Die Bundesstiftung LiveKultur arbeitet gemeinsam mit der LiveKomm, dem Bundesverband der Musikspielstätten, und anderen Branchenverbänden und Veranstalter*innen aus der Livemusikbranche an einem freiwilligen Gemeinschaftsfonds – dem Live Music Fund Germany. Er soll u. a. durch kleine Ticketabgaben bei Großkonzerten finanziert werden und gezielt Clubkonzerte, kleine Festivals und Nachwuchstourneen fördern. Dabei wollen v.a. die Ticketing-Anbieter einen Beitrag leisten – das Publikum kann sich optional daran beteiligen.

Wenn 228.000 kleine Konzerte das Rückgrat unserer Musikkultur bilden, brauchen wir eine wirtschaftliche Absicherung dieser Vielfalt. Die großen Player profitieren längst wieder – jetzt ist der Moment, in die Zukunft zu investieren“, erklärt Grädler.

Die Bundesstiftung ruft Politik, Ticketing-Plattformen und große Veranstalter*innen auf, sich am Aufbau des Fonds zu beteiligen. Erfreulich wäre es zudem, wenn sich auch Profiteure des „Live-Boom“, wie die GEMA, die auch dank steigender Erträge im Bereich „Live“ profitiert, am Fonds aktiv beteiligen und somit in den eigenen Nachwuchs investieren würden.

Denn die aktuellen Zahlen zeigen: Wer nur auf die Spitze der Pyramide setzt, riskiert das Fundament der Livemusik in Deutschland.

Hier finden sich die Ergebnisse der GEMA im Detail:

https://www.gema.de/de/aktuelles/song-economy/konzerte-in-deutschland-2024

Weitere Details zum Live Music Fund:

Investitionsstau abbauen: Live-Branche entwickelt Unterstützungsprogramme und Initiativen inmitten der Transformation

Clubs und Festivals unter immensem Kostendruck können entlastet werden dazu braucht es jetzt den politischen Rückenwind

Die LiveKomm, der Bundesverband der Musikspielstätten, begrüßt die zügige Zusammensetzung einer neuen Regierung. Damit verknüpfen wir als Branchenverband die Hoffnung auf eine vollständige gesetzliche Berücksichtigung von Musikclubs als Kulturorte und Wirtschaftsfaktor, die seit zwei Legislaturperioden umgesetzt werden soll. Insbesondere setzt die LiveKomm auf politische Unterstützung wichtiger Eigeninitiativen der Branche, die darauf abzielen, die existenziell bedrohliche Situation der Club- und Festivallandschaft zu verbessern. Denn trotz beeindruckender wirtschaftlicher Zahlen des Live Entertainments krankt der Motor der Liveszene, die kleinen Musikspielstätten, unter strukturellen Defiziten und stark gestiegenem Kostendruck.

Hamburg/Berlin, 13.05.2025 – Die Live Entertainment-Branche ist mit über 115 Millionen verkauften Tickets, einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 6 Milliarden Euro und 70.000 Beschäftigten die wirtschaftliche Basis der drittgrößten Musikwirtschaft der Welt. Ihre Strahlkraft ist immens: Allein für den Tourismus ergeben sich durch sie jährlich 11,7 Mrd. Euro Umsatz. Die touristische Attraktivität etwa von Ballungszentren wie Berlin oder Hamburg ist primär ihrem vielfältigen Kulturangebot zu verdanken. (Vgl. Musikwirtschaftsstudie 2024)

Entscheidend für das Funktionieren der Livemusik-Branche ist der „Circle of Live“: Kleinen Künstler*innen, Nachwuchs und Experimenten kann eine Bühne geboten werden, weil die Einnahmen aus größeren Live-Veranstaltungen die Defizite dieser oft schlechter besuchten Konzerte kompensieren. So werden auf den kleinen Bühnen die Stars von morgen geformt. Jedoch ist der verfügbare finanzielle Spielraum seit jeher hier sehr klein, denn die durchschnittliche Umsatzrendite im Clubbereich liegt bei nur 3%. Der hohe Kostendruck durch immer höhere Mieten, mehr Ausgaben für Energie u.v.m. bedroht den „Circle of Live“ und lässt den Livesektor als Motor der Musikwirtschaft stark schwächeln. Dies gefährdet die Nachwuchsarbeit sowie die kulturelle Vielfalt in Deutschland und Europa.

Um diese Entwicklung zu ändern, bleiben die Förderprogramme für Musikclubs und Festivals der Initiative Musik wichtig; doch bemüht sich die Branche auch, mit eigenen Konzepten die Lage zu verbessern. Drei zentrale Maßnahmen seien nachfolgend benannt.

Mit kostenneutralem Investitionsfonds die energetische Nachhaltigkeit fördern

Durch Investitionen in ökologische Nachhaltigkeit lässt sich zugleich der akute Kostendruck absenken. Die Ausgaben für Energie sind eine sehr wichtige Stellschraube, insbesondere für kleine Spielstätten bis zu einer Kapazität von 200 Personen: Diese haben einen deutlich höheren Stromverbrauch pro qm bzw. pro Person im Verhältnis zu den durchgeführten Veranstaltungen. Das bedeutet: Der Kostendruck ist hier klar höher. Kleine Musikspielstätten zahlen aktuell das 3- bis 4-fache an Energiekosten im Vergleich zu größeren Venues.

Geholfen wäre Clubs und Festivals allerdings nur dann, wenn sie energieffizienter werden könnten, etwa durch bessere Dämmung u.ä. Um solche Investitionen in Effizienz zu ermöglichen, schlägt die LiveKomm einen Fonds zur Realisierung investiver Maßnahmen in die ökologische Nachhaltigkeit vor. Die Umsetzung könnte in Form eines revolvierenden Investition-Kreditprogramms des Bundes erfolgen, wie bspw. der Bildungskredit. Das Kreditprogramm soll Investitionen ermöglichen und sich aus eingesparten Kosten langfristig refinanzieren.

Der Bedarf ist groß: Über 74% der Clubs und 54% der Festivals gaben in einer aktuellen Mitgliederbefragung des Bundesverbandes LiveKomm (insgesamt 750 Mitglieder) zum Thema an, gerne zukünftig in energieeffiziente Maßnahmen für die ökologische Transformation investieren zu wollen, sofern die Möglichkeiten dafür vorhanden seien.

Spielstätten fehlen Eigenmittel für Investitionen, übliche Förderprogramme sind unpassend. Ein niedrigschwelliges Programm ist nötig. Bei 250.000 Euro pro Einrichtung und 500 teilnehmenden Clubs/Festivals über zehn Jahre benötigt der revolvierende Investitionsfonds beim Wirtschaftsministerium 1,5 Millionen Euro jährlich. Nach zehn Jahren wird er selbsttragend. Insgesamt sind über den Zehn-Jahres-Zeitraum 125 Millionen Euro im Bundeshaushalt erforderlich, die durch das Kreditmodell dauerhaft erhalten bleiben.

Bundesschallschutzprogramm schützt bestehende Musikspielstätten, befriedet nachweislich und spart Kosten

Bereits Anfang des Jahres sollte das Bundesschallschutzprogramm als Pilotprojekt starten, nachdem der Vorreiter Berlin seit Jahren mit dem Instrument hervorragende Erfahrungen aufzeigen kann. Drei Millionen Euro sind seitens des BMWSB im Jahr 2025 für Maßnahmen zur Eindämmung von Schallemissionen vorgesehen. Die bereits budgetierte Summe sollte möglichst zügig über die Initiative Musik zur Verfügung stehen, um in einem ersten Schritt aufzuzeigen, wie entsprechende Investitionen in Dämmung oder moderne Noise Cancelling-Anlagen dabei helfen, Nachbarschaftskonflikte zu reduzieren. Dies ist eine der effektivsten Investitionen in den wirksamen Schutz bestehender Clubs und Festivals – und würde zudem zur Kosteneinsparung beitragen, denn bessere Schalldämmung geht zumeist mit höherer Energieeffizienz einher. 

Live Music Fund: Langfristige Stabilisierung der Livebranche durch gemeinschaftliche Abgabe

Flankierend zu den beiden o.g. Initiativen arbeitet die Bundesstiftung LiveKultur mit dem Live Music Fund analog zu den erfolgreichen Modellen Beispielen aus Frankreich und UK an einem branchenweiten, innovativen Finanzierungsmodell, in dessen Rahmen Ticketanbieter, Veranstalter und Livemusik-Akteure einen gemeinschaftlichen Beitrag zur Finanzierung der Live-Branche leisten. Dies erfolgt über eine Abgabe pro Ticketverkauf, die direkt in den Live Music Fund fließt. Zusätzlich könnten Veranstalter*innen und Künstler*innen bei großen Arena-Shows weitere Spenden tätigen. Mit diesen Geldern sollen gezielt Projekte und Maßnahmen finanziert werden, die zur Zukunftssicherung der Livemusikbranche beitragen und den „Circle of Live“ stützen und erhalten. Schwerpunkt der Förderungen sind Ausbildung, Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit und Nachwuchsförderung innerhalb der Livebranche. Förderprogramme für Grassroot Venues, eine Erst-Tourneeförderung, Festivalförderung und eine Veranstaltungsversicherung sind in Vorbereitung.

Mankel Brinkmann, Vorsitzender der LiveKomm: “Die Livebranche hat sich stets durch ihre Innovationskraft ausgezeichnet und gezeigt, dass sie selbst unter schwierigsten Bedingungen die Fähigkeit besitzt, sich neu aufzustellen und weiterzuentwickeln. Auch in der aktuellen Phase der Transformation stehen zahlreiche Programme und Brancheninitiativen bereit, die mit gezielter staatlicher Unterstützung – durch Rückhalt und moderate Investitionen – rasch Wirkung entfalten könnten.”

Clubs als Kulturorte: Auch vier Jahre nach der parlamentarischen Weichenstellung fehlen entsprechende Reformen

Musikclubs warten noch immer auf die entscheidende Umsetzung des Entschließungsantrags des Dt. Bundestags vom 7. Mai 2021: Es bedarf dringend der Novellierung von TA Lärm und BauNVO sowie des Ausbaus und der Verstetigung von Förderprogrammen.

Am 7. Mai 2025 jährt sich das Datum, an dem der Deutsche Bundestag per Entschließungsantrag Clubs als Kulturorte einstufte, bereits zum vierten Mal. In diesen zurückliegenden Jahren vollzog sich ein langsamer Verwaltungsprozess, der unter anderem in der Reformierung der Schallschutzbestimmungen sowie der Baunutzungsverordnung hätte münden sollen. Die neue Regierung sollte diese Fäden schnellstmöglich wieder aufgreifen, um ihrem im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Anspruch gerecht zu werden, Clubs als kulturelle Institutionen gesetzlich zu berücksichtigen. Bestenfalls geschieht dies in jeweils separaten Verfahren.

Vor vier Jahren einigten sich die demokratischen Parteien im Bundestag fraktionsübergreifend darauf, Clubs als Kulturorte anzuerkennen. Der damit verbundene gesetzgeberische Auftrag wurde von den verantwortlichen Ministerien allerdings nur schleppend an- und aufgenommen. Im Zuge der politischen Arbeit der LiveKomm, des Bundesverbands der Musikspielstätten, und begleitet von der Öffentlichkeitskampagne „clubsAREculture“, wurden erst im Sommer 2024 mit entsprechenden Referentenentwürfen Reformbestrebungen sichtbar. Zuletzt lagen sowohl für die TA Lärm, die den Schallschutz regelt, sowie für die Baunutzungsverordnung Ansätze zur Novellierung vor – im Falle der BauNVO gelangte ein Gesetzesentwurf noch im September 2024 zu einer ersten Lesung in den Bundestag.

Mit dem Ende der Ampelregierung ist es nun an der neuen Koalition, diese Fäden wieder aufzugreifen und die gesetzliche Basis für moderne Stadtentwicklung und ein Miteinander von Kultur und Wohnen zu schaffen. Einen solchen Reformanspruch formulieren CDU/CSU und SPD auch in ihrem Koalitionsvertrag. Dort findet sich u.a. folgende Passage: „Wir setzen uns für die Initiative Musik und andere bundesgeförderte Initiativen für die Förderung der Musikwirtschaft und der Popkultur ein. Es braucht „Kulturschutzgebiete“, in denen Bestandsschutz gilt und Clubs als Kulturorte durch die Baunutzungsverordnung anerkannt und in der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) berücksichtigt werden“. An anderer Stelle heißt es: „Programme zur Modernisierung von Bahnhöfen, zur Schaffung von Barrierefreiheit und zum Lärmschutz werden fortgesetzt.“

Vor diesem Hintergrund fordert die LiveKomm:

1. Anerkennung des kulturellen Bezugs von Clubs und Livemusikspielstätten innerhalb der BauNVO

Die LiveKomm fordert eine zügige Anpassung der Baunutzungsverordnung, in der Musikclubs mit nachweisbar kulturellem Bezug als Anlagen kultureller Zwecke eingestuft werden. Wenn diese Forderung nicht umsetzbar ist, sollte der Weg einer gesonderten Gebäudekategorie Musikclub mindestens einen besseren Bestandsschutz und eine Erweiterung der Spielräume für die künftige Ansiedlung von Musikclubs beinhalten. Dem Bundesratsbeschluss (Drucksache 436/24) entsprechend sollte eine ausnahmsweise Zulässigkeit in allgemeinen Wohngebieten und eine grundsätzliche Zulässigkeit in Gewerbegebieten vorgesehen werden. Zudem sollte das Gesetzesvorhaben eine Definition von Musikclubs mit kulturellem Bezug beinhalten.

2. Umsteuern beim Bundesimmissionsschutzgesetz & Schallschutzprogramm verstetigen

Es gilt, künftig eine regulatorische Unterscheidung zwischen Industrie- und Gewerbelärm (TA Lärm) und Kulturschall einzuführen, um den Anforderungen kultureller Einrichtungen gerecht zu werden. Dabei gilt es u.a. sicherzustellen, dass die Einstufung von Verhaltenslärm des Publikums im öffentlichen Raum eine angemessene Berücksichtigung kultureller Aktivitäten ermöglicht. Eine Arbeitsgruppe aus UMK, BMK, WMK und KMK sollte eingerichtet werden, um neue Schallregularien zu formulieren und eine kulturelle Stadtentwicklung gezielt voranzutreiben. Es gilt, das Bundesschallschutzprogramm im BMWSB zu verstetigen und mit einer auskömmlichen Finanzierung von mindestens 20 Millionen Euro pro Jahr auszustatten, um Nutzungskonflikte zwischen kulturellen Orten und Nachbarschaften nachhaltig zu lösen.

Mit der Kulturschallverordnung (V3) hat die LiveKomm auf Basis juristischer Expertise durch die Berliner Kanzlei Härting einen Vorschlag für die Neuregelung des Schallschutzes auf Bundesebene eingebracht.

Bei der Umsetzung gesetzlicher Reformen steht die LiveKomm den zuständigen Ministerien, wie schon in der Vergangenheit, gerne als Partnerin zur Verfügung.

Iris Hinze, Sprecherin der AG Kulturraumschutz der LiveKomm: „Die neue Regierung will laut Koalitionsvertrag Clubs als Kulturorte schützen und würdigen. Wir fordern von der neuen Koalition daher, auf Beschlüsse auch zügig Taten folgen zu lassen: BauNVO und TA Lärm müssen vorrangig und separat, notfalls außerhalb gebündelter Gesetzespakete, angepackt werden. Reformen sind schon länger als vier Jahre überfällig – die Schallschutz-Bestimmungen z.B. wurden für den clubrelevanten Bereich seit 1968 nicht angepasst.“