Pressemitteilung: Neues Förderprogramm für Schallschutz bei Clubs und Festivals – Livekultur ohne Lärmbeschwerden

Mit dem Bundesschallschutzprogramm startet im Januar 2026 erstmals ein bundesweites Pilotprogramm für besseren Schallschutz bei Musikclubs und Festivals. Spielstätten, die aufgrund von Lärmbeschwerden von einer Schließung bedroht sind, erhalten Unterstützung bei der Umsetzung von Schallschutzmaßnahmen. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) stellt dafür 3 Mio. Euro bereit. Die fachliche Umsetzung übernimmt die Initiative Musik und wird dabei unterstützt durch die LiveMusikKommission.

Clubs und Festivals geraten zunehmend durch Lärmbeschwerden unter Druck – insbesondere in dicht bebauten Stadtgebieten, in denen die Folgen der Nachverdichtung besonders spürbar sind. Notwendige Schallschutzmaßnahmen wie verbesserte Dämmung und Noise-Cancelling-Lösungen sowie moderierte Dialogformate zwischen Veranstaltenden und Nachbarschaft können Abhilfe schaffen, sind jedoch häufig kostenintensiv. Viele Kultureinrichtungen stehen angesichts stark steigender Gesamtkosten vor enormen finanziellen Herausforderungen und können diese notwendigen Investitionen kaum noch stemmen.

Modellprojekt unterstützt den Schallschutz

Um die Situation zu verbessern, startet die Bundesregierung im kommenden Jahr ein Modellprojekt, das Clubs und Festivals gezielt beim Ausbau ihres Schallschutzes unterstützt. Im Rahmen der Pilotrunde werden Musikclubs mit einer Kapazität von bis zu 2.000 Besucher:innen sowie Festivals unterstützt, die aufgrund erheblicher Lärmbeschwerden besonders stark von einer Schließung bedroht sind oder deren Durchführung gefährdet ist. Für die Vorauswahl wird die Expertise von Verbänden und Netzwerken der Livemusikbranche herangezogen. Anschließend empfiehlt eine überwiegend fachlich besetzte Jury aus dieser Vorauswahl, welche Projekte gefördert werden sollten.

Details zum Programm und zum Auswahlverfahren werden zum Programmstart im Januar auf der Website der Initiative Musik veröffentlicht.

Dringender Handlungsbedarf für Schallschutz in der Livekultur

Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, sagt: „Ohne Kultur ist unsere Gesellschaft ärmer. Und Musik als Teil davon berührt uns und verbindet, gerade in Zeiten, in denen ein Miteinander wichtig ist. Doch diese Kraft kann Musik nur entfalten, wenn sie genug Raum bekommt. Nicht im luftleeren Raum, sondern mitten in einer lebendigen Gemeinschaft. Damit das gelingt, brauchen wir guten Schallschutz. Denn was für die einen ein unvergesslicher Abend ist, darf für die anderen nicht zur Belastung werden. Besonders dort, wo Clubs mitten in unseren Städten pulsieren oder Festivals über mehrere Tage dauern, müssen Kultur und Zusammenleben Hand in Hand gehen.

Wir zeigen mit neuen, innovativen Ansätzen, dass genau dieses Miteinander möglich ist: Dass Musikorte bestehen bleiben können, ohne dass Anwohnerinnen und Anwohner darunter leiden und dass lebenswerte, nachverdichtete Quartiere trotzdem weiter wachsen können. Deshalb haben wir ein Pilotprogramm auf den Weg gebracht, das ausgewählte Musikclubs und Festivals unterstützt, die ohne besseren Schallschutz vor dem Aus stehen. So stärken wir nicht nur die Kultur, sondern auch das Vertrauen, dass gemeinsames Leben in der Stadt gelingt, wenn man mutig neue Wege geht“

Katja Lucker, Geschäftsführerin der Initiative Musik, betont: „Musikclubs und Festivals sind lebendige Orte, an denen Gemeinschaft entsteht und Kultur erfahrbar wird. Doch ohne wirksamen Schallschutz stehen viele von ihnen auf dem Spiel. Mit dieser Förderung setzen wir ein Zeichen dafür, dass wir diese Räume erhalten und ihre Zukunft sichern wollen.“

Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveMusikKommission, sagt: „Mit dem Pilotprogramm können wir endlich ein drängendes Problem der Livelandschaft auf Bundesebene angehen. Unsere Mitgliederbefragungen zeigen regelmäßig großen Bedarf im Bereich Schallschutz, sodass wir davon ausgehen, dass der Andrang hoch sein wird und eine Verstetigung und ein Ausbau des Programms im Anschluss an die Pilotphase naheliegend.“

LiveKomm & Friends bei der Stadt Nach Acht + Future of Festivals 2025

PROGRAMM STADT NACH ACHT
DONNERSTAG, 27. NOVEMBER
Nacht Konsil: Gütesiegel für das NachtlebenWelche Voraussetzungen sind für die Entwicklung des Nachtlebens in der Stadt notwendig?
Cassiopeia unten, 11:30 – 13:00 Uhr

Wie ist die aktuelle Situation in Deutschland und wie setzen deutsche Städte beispielsweise Nachtlebenbeauftragte ein? Was ist notwendig, um das Nachtleben ganzheitlich weiterzuentwickeln? Welche Strukturen wären dafür noch erforderlich? Und wie kann eine Auszeichnung wie die Purpurfahne die Entwicklung des Nachtlebens unterstützen? Nacht Konsil ist die Interessengemeinschaft der Nachtlebenbeauftragten in deutschen Städten und Gemeinden. 

Fair Play: Wer finanziert die Zukunft der Livemusik? 
Cassiopeia oben, 11:30 – 13:00 Uhr

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Politiker, Künstler und die wichtigsten Akteure der Branche künftig zusammenarbeiten können, um die langfristige Zukunft der Live-Musikkultur zu sichern. Während kleine Clubs, unabhängige Veranstalter und Nachwuchskünstler zunehmend unter Druck geraten, wächst der Musikmarkt auf der Seite der großen Acts und Konzerne. 

Digital Venue Revolution – präsentiert von der LiveKomm
Cassiopeia unten, 14:00 – 15:30 Uhr

In Zeiten von steigenden Betriebskosten, knappen Ressourcen und Fachkräftemangel brauchen Kulturorte mehr als gute Absichten – sie brauchen Lösungen, die entlasten und Wirkung entfalten. Dieses Panel zeigt, wie digitale Gebäudetechnik und Smart Home längst Teil der ökonomischen und ökologischen Transformation im Nachtleben sind. Denn digitale Gebäudetechnik ist keine Zukunftsmusik – sie ist ein strategisches Werkzeug für wirtschaftliche Stabilität, ökologische Verantwortung und mehr Freiraum für Kulturarbeit.Wir bringen Praxis und Industrie an einen Tisch und stellen beeindruckende Lösungen vor, die mit smarter Steuerung deutlich Energie, Zeit und Personal sparen – und Kulturorte resilienter machen.Am Abend führt eine Exkursion über die Dächer Berlins in den Klunkerkranich – mit Live-Einblick ins die smarte Steuerung des Clubs, Raum für Fragen und bestem Ausblick: https://2025.stadt-nach-acht.de/events/excursion-digital-venue-revolution/ 

»Kulturschutzgebiete« – Clubs als Kulturorte sichern – präsentiert von der LiveKomm
Cassiopeia oben,14:00 – 15:30 Uhr

Der Begriff „Kulturschutzgebiete“ taucht erstmals im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD auf. Die Idee ist, Musikclubs als Kulturstätten baurechtlich zu schützen – ähnlich wie dies bereits bei denkmalgeschützten Gebäuden und im Naturschutz der Fall ist. Die Stadt Köln hat mit ihrem Plan, in Ehrenfeld eine Kulturdenkmalzone einzurichten, den ersten Schritt getan… 

Nur für geladene Personen: Parlamentarisches Forum der LiveKomm zur Club- und Festivalkultur
House of Music,18:00 – 20:00 Uhr

Die LiveKomm diskutiert mit Vertreter*innen aus Politik, Club- und Festivalkultur über den aktuellen Stand politischer Initiativen für den Nachtleben- und Festivalsektor sowie über die zentralen Bedarfe und Herausforderungen der kommenden Jahre. 

FREITAG, 28. NOVEMBER
Zwischen Vielfalt und Krise: Festivals in Deutschland und Frankreich im Vergleich
Lokschuppen, 11:30 – 13:00 Uhr

Präsentation und Podiumsdiskussion zur brandneuen Festivalstudie der Bundesstiftung Livekultur. Mit einem Vergleich zur Lage der Festivals in Frankreich.
 
Nacht Konsil: Die Bubbles in der Bubble
Cassiopeia unten, 11:30 – 13:00 Uhr

Wo ist der gemeinsame Nenner der Nachtkultur? 

Changeover – Wie können Nachfolgeregelungen in Spielstätten geregelt werden?Lokschuppen Hybrid Floor, 11:30 – 13:00 Uhr

Auch in der Musikbranche geht die Babyboomer-Generation in den Ruhestand. Diese Podiumsdiskussion befasst sich mit der Frage, was bei einem Führungswechsel zu beachten ist und welche externen Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.
PROGRAMM FUTURE OF FESTIVALS

DONNERSTAG, 27. NOVEMBER
The Circle of Live – Wie wir die Zukunft der Livemusik finanzieren
Satellite Events, 15:30 – 16:00 Uhr

Während Ticketpreise für Superstars und große Festivals explodieren, kämpfen kleine Clubs und Festivals ums Überleben. Der Live Music Fund Germany will das ändern – durch Solidarität statt Subvention. Felix Grädler, Initiator und Vorstand der Bundesstiftung Livekultur, stellt das neue Modell vor: Ein Fonds aus freiwilligen Beiträgen von Ticketkäufer:innen, Veranstalter:innen und Profiteuren des Booms, der Künstler:innen-Nachwuchs, Clubs, kleine Festivals und nachhaltige Strukturen fördert. Eine Keynote über Verantwortung in der Musikbranche, Zusammenhalt – und warum die Stars von heute die Stars von morgen finanzieren sollten. 

FREITAG, 28. NOVEMBER
Smart Home, Smart Festival
360 Grad Theater, 11:40 – 12:10 Uhr

Zukunft feiern, als gäbe es ein Morgen – in diesem Impulsvortrag erfährst du in 20 Minuten, wie smarte Sensorik und Automatisierung Ressourcen sparen, Kosten senken und dein Team entlasten kann. Anhand von Praxisbeispielen des Fusion-Festivals und mehreren Clubs zeigen wir, wie Sensor-Netze und Open-Source-Lösungen Abläufe smarter machen – von Logistik über Infrastruktur bis Energiemanagement. Zum Abschluss gibt’s einen Blick auf lokale, datenschutzfreundliche KI-Tools. 

Die Festivalstudie 2025 – Einblicke in die deutsche Festivallandschaft
360 Grad Theater, 16:00 – 16:45 Uhr

Initiative Musik, Bundesstiftung Livekultur und dem Deutschen Musikinformationszentrum präs. „Die Festivalstudie 2025“

Im September 2025 wurde mit der „Musikfestivals in Deutschland“-Studie die bisher umfangreichste, genreübergreifende Datenerhebung zur deutschen Festivallandschaft veröffentlicht. Die Studie entstand in Zusammenarbeit von Initiative Musik, Bundesstiftung Livekultur und dem Deutschen Musikinformationszentrum. In dieser Keynote präsentieren wir die zentralen Ergebnisse der Studie: von ökonomischen und kulturellen über ökologische bis hin zu sozialen Aspekten der Festivals. Im Anschluss lädt die Initiative Musik euch herzlich zu einem Prosecco am Stand von Tante Frizzante ein, um offene Fragen zu beantworten und in den Austausch zu gehen. 

Jetzt gib halt mal den Staffelstab ab! 
Campus Stage, 16:15 – 17:15 Uhr

Wie gelingt der Generationenwechsel in der Festivalbranche – und was bedeutet überhaupt „Übergabe“? Dieses Panel diskutiert, welche Chancen und Herausforderungen entstehen, wenn erfahrene Festivalmacher:innen Verantwortung abgeben und neue Macher:innen übernehmen. Wir sprechen über mögliche Spannungsfelder zwischen Tradition und Veränderung, über Leidenschaft und darüber, was ehrenamtliche und privatwirtschaftliche Strukturen in diesem Bereich voneinander lernen könnten.

Smart Home, Smart Festival
360 Grad Theater, 11:40 – 12:10 Uhr

Zukunft feiern, als gäbe es ein Morgen – in diesem Impulsvortrag erfährst du in 20 Minuten, wie smarte Sensorik und Automatisierung Ressourcen sparen, Kosten senken und dein Team entlasten kann. Anhand von Praxisbeispielen des Fusion-Festivals und mehreren Clubs zeigen wir, wie Sensor-Netze und Open-Source-Lösungen Abläufe smarter machen – von Logistik über Infrastruktur bis Energiemanagement. Zum Abschluss gibt’s einen Blick auf lokale, datenschutzfreundliche KI-Tools. 

Die Festivalstudie 2025 – Einblicke in die deutsche Festivallandschaft
360 Grad Theater, 16:00 – 16:45 Uhr

Initiative Musik, Bundesstiftung Livekultur und dem Deutschen Musikinformationszentrum präs. „Die Festivalstudie 2025“

Im September 2025 wurde mit der „Musikfestivals in Deutschland“-Studie die bisher umfangreichste, genreübergreifende Datenerhebung zur deutschen Festivallandschaft veröffentlicht. Die Studie entstand in Zusammenarbeit von Initiative Musik, Bundesstiftung Livekultur und dem Deutschen Musikinformationszentrum. In dieser Keynote präsentieren wir die zentralen Ergebnisse der Studie: von ökonomischen und kulturellen über ökologische bis hin zu sozialen Aspekten der Festivals. Im Anschluss lädt die Initiative Musik euch herzlich zu einem Prosecco am Stand von Tante Frizzante ein, um offene Fragen zu beantworten und in den Austausch zu gehen. 

Jetzt gib halt mal den Staffelstab ab! 
Campus Stage, 16:15 – 17:15 Uhr

Wie gelingt der Generationenwechsel in der Festivalbranche – und was bedeutet überhaupt „Übergabe“? Dieses Panel diskutiert, welche Chancen und Herausforderungen entstehen, wenn erfahrene Festivalmacher:innen Verantwortung abgeben und neue Macher:innen übernehmen. Wir sprechen über mögliche Spannungsfelder zwischen Tradition und Veränderung, über Leidenschaft und darüber, was ehrenamtliche und privatwirtschaftliche Strukturen in diesem Bereich voneinander lernen könnten.

Pressemitteilung – Kulturhaushalt 2026: Mehr Förderung für Festivals, kein Lichtblick für Clubs

Der Festivalförderfonds wird aufgestockt, die Clubs dagegen nicht berücksichtigt

In der Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2026 lag den Koalitionären nach eigener Aussage die freie Szene „besonders am Herzen“. Die LiveMusikKommission (kurz LiveKomm) begrüßt als Bundesverband der Musikspielstätten die beschlossene Aufstockung des Festivalförderfonds, ist jedoch in großer Sorge über die mangelnde Finanzierung der Clublandschaft. Die aktuelle Verbandserhebung der LiveKomm aus dem Herbst 2025 bestätigt das bestehende Meinungsbild und zeigt, dass die zunehmend existenziell bedrohlichen Kostenentwicklungen für die Kulturbetriebe kritische Zustände erreichen.

Mit dem Bundeshaushalt 2026 wurde eine Aufstockung des Festivalförderfonds um zusätzliche zwei Millionen Euro beschlossen. Diese Maßnahme ist aus Sicht der Liveszene dankenswert und notwendig, denn der Fonds hilft dabei, die breite und vielfältige Festivallandschaft finanziell aufzufangen. Angesichts großer Belastungen, insbesondere bei den Produktionskosten, ist diese Verdopplung ein Segen.

Jedoch leiden die knapp 2.000 Musikclubs in Deutschland unter den gleichen Kostenentwicklungen. Die LiveKomm hatte in den Gesprächen im politischen Raum vielmals auf die massive Überzeichnung der bisherigen Clubförderprogramme bei der Initiative Musik hingewiesen, welche für die Jahre 2024/2025 mit insgesamt lediglich 1,9 Millionen Euro ausgestattet waren.

In den letzten Jahren meldeten die LiveKomm-Mitglieder beständig außerordentliche Preissteigerungen in praktisch allen betrieblichen Bereichen – seien es Mieten, Security- oder Energiekosten. So geben im aktuellen Club- und Festival-Monitoring des Verbands 64 % der Musikspielstätten an, stark unter den Kostenentwicklungen zu leiden.

Die Hälfte der Clubs (51 %) muss aus wirtschaftlichen Gründen Veranstaltungen absagen.

Unter diesen Vorzeichen ist es wenig verwunderlich, dass ein großer Teil der Musikspielstätten im Zuge der Erhebung angab, künftig nicht auf Fördergelder verzichten zu können: In den kommenden zwölf Monaten brauchen 70 % von ihnen staatliche Fördermittel, um ihren Betrieb zu halten.

Clubs und Festivals sind Begegnungsstätten und mit ihrem vielfältigen Publikum und Künstler*innen Orte gelebter Demokratie. Gerade angesichts des Erstarkens rechtsextremer Strömungen in Deutschland sind sie derzeit wichtiger als je zuvor.

Mankel Brinkmann, Vorsitzender der LiveKomm: „Angesichts der aktuell angespannten Haushaltslage ist die Aufstockung des Festivalförderfonds ein großer Erfolg. Allerdings bedauern wir, dass die große Koalition nur einen Teil der angeschlagenen Livebranche gesehen und die Clubs hier nicht mitgedacht hat. Wir hätten angesichts der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Situation sowie der wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Betriebe den dringend notwendigen Ausbau der Unterstützung begrüßt und sind daher enttäuscht.”

Schallschutz darf ab 2027 kein Experiment mehr bleiben

Das 2024 ins Leben gerufene Schallschutzprogramm wurde bislang nicht für eine nachhaltige Finanzierung vorgesehen. In dessen Rahmen sollen Musikspielstätten in die Lage versetzt werden, bestehende Konflikte mit Anwohnenden zu minimieren. Im Rahmen eines Pilotprojekts, dessen Finanzierung über das Bundesbauministerium zunächst nur bis 2026 gesichert ist, wird demnächst der erste Schritt mit einer Handvoll Clubs und Festivals vollzogen. Die LiveKomm appellierte in den letzten Wochen und Monaten an die Regierungskoalition, die nahtlose Fortsetzung des Programms in den künftigen Haushalten vorzusehen, um Kultur und Wohnen im Sinne einer zeitgemäßen und zukunftsgerichteten Stadtentwicklung besser miteinander in Einklang zu bringen.

Pamela Schobeß, politische Sprecherin der LiveKomm: „Der gezielte Schallschutz für Musikclubs und Festivals muss weiterhin eine zentrale Rolle in den stadtplanerischen Überlegungen von Bund, Ländern und Kommunen spielen. Nach den Entscheidungen der Bereinigungssitzung regen wir an zu prüfen, ob hierfür künftig Mittel aus der bestehenden Städtebauförderung oder anderen Budgets im Bauministerium eingesetzt werden können.“

FESTIVALS AKTUELL – WORKSHOP EXPERTS – KI-Kompetenzen für die Veranstaltungsbranche 

Dozentin: Sara Pamina Bartsch
Montag, 17.11.2025, 18 (!) bis 21 Uhr – Online
Kosten: 50 Euro für Livekomm-Mitglieder / 75 Euro für Nichtmitglieder (inkl. 19% MwSt)

Liebe Festivalveranstalter*innen, liebe Interessierte, 

aufgrund der vielen Nachfragen zur Professionalisierung in einigen Arbeitsbereichen möchten wir euch zum ersten Mal zu einem „Experts“-Workshop einladen. Dieser Workshop ist eine formelle Weiterbildung, und ihr erhaltet von unserer Seite ein offizielles Zertifikat: „KI-Kompetenznachweis gemäß Artikel 4 des EU AI Acts“. (Nach unseren Informationen wird dieser Kompetenznachweis künftig auch verpflichtend werden.)

Dank der Förderung aus Mitteln der Initiative Musik können wir euch den Workshop für 50 Euro für LiveKomm-Mitglieder und 75 Euro für Nichtmitglieder anbieten.

Gemeinsam tauchen wir ein in die Welt der KI-Agenten: Wie entstehen KI-Agenten? Was unterscheidet sie von Automatisierung oder Multi-Agent-Systemen? Und was bedeutet der EU AI Act konkret für kreative Projekte?

Anhand aktueller Forschungsergebnisse, praktischer Beispiele und Hands-on-Aufgaben lernen die Teilnehmenden, eigene KI-Agenten zu verstehen, zu gestalten und sicher einzusetzen. Dabei geht es nicht nur um Tools und Technik, sondern auch um ethische Fragen, Verantwortung und Zukunftskompetenzen in einer digital transformierten Eventwelt. Sara zeigt, wie KI nicht ersetzt, sondern inspiriert und befähigt.

Ein Workshop für alle, die neugierig auf Zukunft, offen für Veränderung und aktiv in der Kultur- oder Eventszene engagiert sind oder auch Berührungsängste mit KI-Agenten haben. Ziel ist es, generative KI sowie ihre Möglichkeiten besser zu verstehen und einzuordnen.

Vorkenntnisse sowie Basiswissen über generative KI und Prompting sind Grundlage des Workshops. Ein Microsoft365 und/oder ChatGPT Plus oder Business Account sind von Vorteil. Für die Erstellung eines eigenen KI-Mitarbeiters (Custom-Agents) ist ein kostenpflichtiges KI-Tool sinnvoll. Die Teilnahme ist jedoch auch ohne kostenpflichtiges KI-Tool möglich. 

Über die Dozentin

Sara Pamina Bartsch begleitet Menschen in der Eventwelt dabei, Neues zu lernen, umzudenken und Wandel zu gestalten.

Ein zentrales Anliegen von Sara Pamina Bartsch ist es, relevante Brücken zu bauen, um gesellschaftlichen Wandel aktiv voranzubringen. Seit über 17 Jahren ist sie in der Agenturwelt als Eventmanagerin tätig, seit 5 Jahren zudem als Dozentin im Bereich der Hochschulbildung. Dank der Pandemie ist sie Coach für NI Neurosystemische Integration® und begleitet Menschen voller Begeisterung, dabei ihre Synapsen neu zu verknüpfen. Als angehende MBAI®-Absolventin bei Leaders of AI und der Hochschule Fresenius hat sie ihre eigenen Synapsen neu verknüpft.

(Weiterleitung zu https://livekomm.stager.co/shop/default/events/111587034)

Solltet ihr noch kein Livekomm-Mitglied sein würden wir uns natürlich freuen, wenn ihr das Netzwerk mit einer Mitgliedschaft unterstützt. Den Antrag auf Mitgliedschaft findet ihr hier.

Dieses Projekt wird gefördert durch die Initiative Musik aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Dossier Kulturschutzgebiete: Sammlung und Kommentierung von Vorschlägen zur Umsetzung des Bestandsschutzes für Musikclubs

LiveKomm bittet um fachliches Feedback und Anmerkungen bis zum 15.1.2026

Viele bestehende Musikclubs sind durch Schallbeschwerden oder die geltende baurechtliche Praxis von Verdrängungen bedroht, insbesondere bei heranrückender Wohnbebauung. Der Wohnungsbau-Turbo der Bundesregierung droht diese Herausforderung noch weiter zu verschärfen. 

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD findet sich erstmals der Begriff „Kulturschutzgebiete“ in einem Regierungsprogramm und zielt auf den Bestandsschutz von Clubs als kulturelle Orte. Unklar bleibt bislang, wie die Umsetzung in der regulatorischen Praxis erfolgen soll. 

Mit dem LiveKomm-Dossier „Kulturschutzgebiete (V1.0)“ sollen konkrete Impulse zum Vorhaben gesammelt und eingebracht werden. Ausgangspunkt bildet eine Analyse der Beschlüsse zur Einrichtung einer kommunalen Kulturschutzzone in Köln-Ehrenfeld.

Klar ersichtlich wird, dass es für eine einheitliche verwaltungsrechtlichen Praxis einer Vorgabe vom Verordnungsgeber auf Bundesebene bedarf. Auch ein bundesweites Club/Kultur-Kataster zur Identifikation und Verortung von kulturellen Räumen scheint aus LiveKomm-Sicht unabdingbar. So könnten u.a. auch bestehende Kulturstätten mit nahender Wohnbebauung in Einklang gebracht und Bestandsschutz ermöglicht werden.

Die LiveKomm AG Kulturraumschutz ruft dazu auf, sich bis zum 15.1.2026 daran zu beteiligen, eigene Positionen, Ideen und kritische Stimmen zum jüngst veröffentlichen Dossier „Kulturschutzgebiete“  (siehe: hier; https://www.livemusikkommission.de/dossier-kulturschutzgebiete-vorschlaege-zur-umsetzung-des-bestandsschutzes-fuer-musikclubs/) einzureichen.

Erwünscht ist ein vielfältiger Rücklauf: Egal ob juristisch, verwaltungsrechtlich auf Bezirks/Kommunal-/Landesebene, politischer, stadtplanerischer oder kultureller Perspektive (u.a. von Clubbetreibenden). Die Einsendungen können formlos (in Aufbau und Länge) an kommunikation@livekomm.org erfolgen.

Einsendende stimmen zu, dass die Absender*innen in einer Einreichungsliste namentlich angeführt und die Inhalte mit Quellenangaben veröffentlicht werden.

Die LiveKomm steht in Kontakt mit dem BMWSB, um im Anschluss eine noch gehaltvollere Version mit dem Team von Bundesbauministerin Verena Hubertz zu besprechen.

Es wäre ein starkes Signal für die Innovationskraft in Deutschland, wenn sich darüber neue Instrumente für einen Kulturraumschutz finden und auf Bundesebene implementieren ließen.

Wir freuen uns daher auf Kommentare und Anpassungsvorschläge zum Dossier, um gemeinsam als Branche einen substantiellen Beitrag zum politischen Prozess leisten zu können. Eine umfängliche juristische Prüfung der bisherigen Vorschläge auf Machbarkeit steht noch aus.

#clubsAREculture

Pressemitteilung – „Bau-Turbo“: Gesetzgeber verpasst Chance für wirksamen Kulturraumschutz für Clubkultur

In der vergangenen Woche wurde auf Bundesebene der „Bau-Turbo“ verabschiedet: Das Gesetz konzentriert sich auf den schnellen und unkomplizierten Wohnungsbau, doch auch die Bedarfe der Club- und Festivallandschaft sollten Eingang finden. Die Szene steht seit Jahren aufgrund zunehmender Schließungen und Verdrängung von Musikspielstätten durch Schallkonflikte unter Druck. Die Gesetzgebung wirkt hier unausgereift und nicht konsequent.

Hamburg, den 16. Oktober 2025 – Schon früh hatte die LiveKomm, der Bundesverband der Clubs und Festivals, in einer Kommentierung erhebliche Risiken für die deutsche Club- und Livemusiklandschaft herausgearbeitet und kritisiert, dass der Gesetzentwurf keine verbindlichen Schutzmaßnahmen für bestehende kulturelle Infrastrukturen beinhalte. Nach der Beschlussfassung hat die LiveKomm eine fachliche Einordnung verfasst.  

Zwar sind den Kommunen künftig bei Bebauungsplanverfahren mit heranrückender Wohnbebauung Abweichungen von den Schallschutzbestimmungen gestattet und „bestimmte Werte zum Schutz vor Geräuschimmissionen“ nun zulässig. Jedoch muss dieses Vorgehen stets städtebaulich begründet werden. 

Die Änderungen beziehen sich zudem lediglich auf das Bauplanungsrecht – also auf die Aufstellung und Auslegung von Bebauungsplänen. Die „TA Lärm“ selbst bleibt in anderen Bereichen (z. B. für Clubs, Veranstaltungen, Industrieanlagen im laufenden Betrieb) unverändert gültig. 

Das Gesetz regelt zwar die Ausnahmefälle, wenn ein Gericht den B-Plan für ungültig erklärt – ein Problem nicht nur für die Musikspielstätten, sondern auch für den Wohnungsbau, der dann auf der Basis falscher Bebauungspläne erfolgt wäre. Eine Schutzregelung bei heranrückenden Wohnungsbau ohne B-Planverfahren fehlt. 

Und obwohl durch das Gesetz künftig Bauherr/innen und Gemeinden die Kosten für nachträgliche Schallminderungen tragen, werden die Neuregelungen nur in Ausnahmefällen bestehende Clubs wirksam schützen.

Der Gesetzgeber hat die Chance verpasst, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das grundsätzlich die Verantwortungen für Schallschutz denen auferlegt, die Wohnungen durch Nachverdichtung neben schon existierenden, schallerzeugenden Betrieben bauen wollen. 

Thore Debor, stellv. Vorsitzender der LiveKomm: „Leider enttäuscht der Bau-Turbo sehr. Der Gesetzgeber wälzt die Verantwortung auf die Kommunen ab – ohne dabei Schutzmechanismen im Verfahren näher zu regeln. In der Praxis wird sich die Lage der Spielstätten eher verschärfen. Moderne Stadtplanung, die Wohnen, Arbeiten und Kultur miteinander in einer echten gemischten Stadt, entsprechend der immer wieder herausgestellten Neuen Leipziger Charta, verbindet, wird so nicht möglich. Die fehlenden Instrumente für einen Kulturraumschutz sollten spätestens mit der angekündigten, großen Novelle des Baugesetzbuches beschlossen werden.”

Startschuss für den Live Music Fund Germany beim Reeperbahn Festival

Bundesstiftung LiveKultur stellt neue Brancheninitiative vor – Stimmen aus Politik, Kultur und Branche betonen Solidarität und Handlungsdruck

Beim Panel „Imagine Togetherness – Wie wir die Zukunft der Livemusik sichern“ auf dem Reeperbahn Festival wurde heute die Gründung des Live Music Fund Germany durch die Bundesstiftung LiveKultur offiziell bekannt gegeben. Der Fonds startet zum 1. Januar 2026 und will die Basis der Livemusikkultur – Clubs, Newcomer*innen, unabhängige Veranstaltende und Festivals – solidarisch absichern.

Der Fonds reagiert auf die enorme Schieflage in der Branche: Während Superstars Stadien füllen und Ticketpreise Rekordhöhen erreichen, kämpfen kleine und mittlere Spielstätten mit Kostenexplosionen, fehlender Planungssicherheit und Publikumsrückgang.

Das mediale Echo auf den Fonds fiel breit aus:

Einige Zitate aus der Paneldiskussion:

Benjamin Fischer – Wirtschaftsredakteur, Frankfurter Allgemeine
Zeitung

„Der britische Music Venue Trust ist das Vorbild – dort haben schon Stars wie
Coldplay, Katy Perry & Sam Fender verstanden, dass die Basis gesichert
werden muss.“

„Die Dringlichkeit ist da. Bilder ausverkaufter Stadien täuschen darüber
hinweg, wie stark die Grassroot Venues unter Druck stehen.“

Pamela Schobeß – Club Gretchen (Berlin), Vorstandsmitglied
LiveMusikKommission e.V.

„Unsere Umsatzrendite liegt unter 1 %. Junge Bands und Nischenprogramme
können wir ohne Unterstützung kaum noch stemmen.“

„Politik darf man nie aus der Verantwortung lassen – und die Großen müssen
in die Pflicht genommen werden, notfalls auch ohne Freiwilligkeit.“

Berthold Seliger – Geschäftsführer, Berthold Seliger – Büro für Musik,
Texte und Strategien

„In den Clubs schlägt das Herz der Livekultur – sie sind Möglichkeitsräume
und Wunschmaschinen. Ohne sie stirbt die Vielfalt.“

„Ich glaube nicht, dass die Großkonzerne freiwillig etwas abgeben. Die
Regeln muss die Politik setzen – fangen wir mit den Ticketingunternehmen
an.“

Carsten Brosda – Senator für Kultur und Medien, Hamburger Senat

„Die Idee des Fonds liegt seit Jahren auf dem Tisch. Aus der Branche heraus
anzufangen ist ein wichtiger Schritt, jetzt müssen auch die Großen
mitziehen.“

„Wir dürfen nicht um das Instrument streiten, sondern um das Problem. Wer
heute von Superstars profitiert, muss helfen, die Basis zu sichern.“

„Der Musikmarkt wächst insgesamt, doch die Verschiebungen zugunsten der
Superstars sind enorm. Wir müssen uns fragen, wer in zehn Jahren diese
Superstars überhaupt noch sein werden. Deshalb brauchen wir eine Abgabe,
mit der Mittel von den großen Unternehmen abgeschöpft und wieder in die
Breite des Marktes zurückgeführt werden.“

Christopher Annen – Vorstandsmitglied, Pro Musik

„Es geht darum, Mittel von den Großen an die Kleinen umzuleiten, damit das
Ökosystem aus Musiker*innen, Clubs und Labels lebendig bleibt.“

Martin Rabanus (SPD) – Sprecher für Kultur und Medien, SPD-Arbeitsgruppe Kultur und Medien

„Ich habe ein Problem mit reiner Freiwilligkeit – warum sollten große Player
freiwillig abgeben? Es braucht klare Regeln und im Zweifel ein Gesetz.“

„Den Nachwuchsmusiker*innen eine Bühne zu geben, ist das große Potenzial
des Fonds. Das ist ein mutiger Schritt nach vorn.“

David Schliesing (Die Linke) – Mitglied des Bundestages

„Die Freiheit der Kunst wird zur Illusion, wenn sie im Alltag an der
Finanzierung scheitert.“

„Mein Glaube daran, dass der Markt das allein regelt, ist gering. Wir müssen
präventiv tätig werden und das Thema im Ausschuss auf die Agenda setzen
– es ist besser, früh zu handeln, als später nur zu reagieren.“

„An der Basis erodieren Clubs und kleine Veranstalter. Was nützt mir eine
Kulturszene, wenn sie nicht mehr da ist?“

Detlef Schwarte – Direktor, Reeperbahn Festival

„Das Motto des Reeperbahn Festivals lautet ‚Imagine Togetherness‘ – der
Live Music Fund ist genau dafür ein Paradebeispiel.“

„Nur wenn wir kollektiv denken und handeln, können wir die Livemusikkultur
langfristig sichern.“

Felix Grädler – Initiator Live Music Fund, Vorstand Bundesstiftung
LiveKultur

„Der Vorteil gegenüber einer staatlichen Zwangsabgabe ist: Wir können als
Branche selbst austarieren, wohin die Gelder fließen – realitätsnah,
solidarisch und nicht politisch getrieben.“

„Die Idee ist ja: Die Stars von heute finanzieren die Stars von morgen. Wir
sind halt Idealisten – und hoffen auf die Solidarität der gesamten Branche.“

Isabel Roudsarabi – Mitgründerin & Geschäftsführerin, Höme

„Es ist schade, dass wieder die Käufer*innen zahlen müssen, während große
Ticketingunternehmen außen vor bleiben.“

„Wir brauchen einen Dialog auf Augenhöhe mit den Großen, damit sie ihr
Geschäftsmodell so ändern, dass es für alle besser wird.“


Über den Fonds

Der Live Music Fund Germany wird ab 2026 über Ticketplattformen,
Spielstätten und Veranstalter*innen als solidarische Abgabe und freiwillige
Spendenfunktion umgesetzt. Die Mittel fließen in drei Fördersäulen:

  1. Nachwuchs- und Clubförderung – Unterstützung kleiner
    Spielstätten, Ersttourneen und Festivals.
  2. Auslastungsversicherung für mittlere Konzerte – Zuschüsse für
    defizitäre Veranstaltungen bis 2.000 Besucher*innen.
  3. Strukturelle Maßnahmen – Förderung von Nachhaltigkeit, Inklusion,
    Diversität und Ausbildung.

Mehr als 30 Gründungspartner*innen aus Clubs, Festivals, Verbänden und
Ticketing unterstützen den Fonds bereits.

Die LiveKomm & Friends beim Reeperbahnfestival 2025 – vollständiges Programm

Nachtökonomie und Stadtplanung, Häkken
14:00 – 15:00 Uhr

Moderation:  Julia Staron (Quartiermanagerin)

Speaker*innen:

Dr. Jakob F. Schmid (Stadtplaner & Experte für Nachtökonomie)
Tilo Buchholz (Popbeauftragter der Stadt Freiburg)
Lukas Kaiser (Behörde für Kultur und Medien Hamburg / Referent Elbphilharmonie + Live Music Clubs)
Pamela Schobess (Gretchen (Club in Berlin), LiveMusikKommission e.V. / Vorstandsmitglied)

Die Nachtökonomie ist ein zentraler Motor für Kultur, Stadtentwicklung und internationale Sichtbarkeit Hamburgs. Doch wie lässt sich das Spannungsfeld zwischen Stadtplanung, Anwohnerinteressen, Kulturwirtschaft und Tourismus konstruktiv gestalten? Ausgangspunkt ist die aktuelle Studie zur Nachtökonomie in Hamburg – das Panel diskutiert, wie aus Analysen konkrete Strategien und Maßnahmen für die Stadt entstehen können.

Das Ziel ist es, Best-Practice-Beispiele, politische Perspektiven und lokale Handlungsansätze zusammenzuführen und den Austausch zwischen Verwaltung, Szene und Stadtentwicklung zu fördern.

AG „Clubs 1.000“ der LiveKomm, East Hotel
16:00 – 17:30 Uhr

Im ersten Teil (ca. 30 Minuten) wollen wir euch 5 spannende Elevator Pitches vorstellen – jeweils max. 5 Minuten – von Projekten, Anbieterinnen oder Ideen, die für größere Musikspielstätten von überregionalem Interesse sind (z. B. innovative Veranstaltungskonzepte, neue Technologien, Ticketing- oder Payment-Lösungen, Tools für Besucherinnen-Kommunikation etc.).

Anschließend geht es in den offenen Austausch: Welche Herausforderungen treiben euch aktuell um? Wo gibt es Kooperationspotenzial innerhalb des Netzwerks? Was brauchen große Clubs von der LiveKomm?

Zur inhaltlichen Vorbereitung freuen wir uns auf eure kurze Mitwirkung in folgendem Fragebogen:

Umfrage Clubs 1.000

Good Morning Musikwirtschaft, B2BEERGARDEN
10:00 – 11:30 Uhr

Während das Reeperbahn Festival 2025 so richtig loslegt, laden die Verbände des Forum Musikwirtschaft zum Frühstück ein. Wir möchten Sie bei Kaffee und Croissants treffen und Sie mit Vertreter*innen aus der gesamten Musikwirtschaft, Politik und Medien zusammenbringen. Starten Sie mit uns in den Festival-Donnerstag!“

Anmeldungs-Link:

https://form.jotform.com/250993154534057

Green Touring Tools: Cooprog Music, Infosession, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
10:00 – 10:30 Uhr

Speaker*innen:

Jakob Fraisse
Sybille Kornitschky
 
Ein von der jazzahead! Fachmesse & Festival mit entwickeltes „grünes“ Tool macht sich auf den Weg, den Live-Musikmarkt nachhaltig zu verändern und zu verbessern. Musiker:innen aufgepasst: Wir wollen mehr Gigs für euch generieren, auf kleinen und großen Bühnen. Veranstalter:innen aufgepasst: Wir wollen eure Kommunikation untereinander vereinfachen, eure Zusammenarbeit fördern und euch gleichzeitig finanziell entlasten, indem wir euch in ökologisch sinnvolle Touren einbinden. Wir verbinden Netzwerke und machen sie für unsere vielversprechendsten Künstler:innen und Bands in und aus Europa nutzbar. Im Rahmen der Veranstaltung wird das in einem partizipativen Prozess in Kooperation mit Zone Franche und ONDA entwickelte Tool Cooprog Music sowie die jazzahead! Green Touring Initiative vorgestellt. 

Green is the Plan – Nachhaltigkeit als Führungsfrage, Panel, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
10:45 bis 11:45 Uhr

Moderation:  Jette Krauss (Projektkoordinatorin Nachhaltigkeit beim Clubkombinat Hamburg e.V.)

Speaker*innen:

Dr. Birte Jung (Greener Fête de la Musique) 
Lena Hansen (Nachhaltigkeitswissenschaftlerin) 
Heike Gronholz (Geschäftsführerin altonale GmbH)

Ob Club, Festival oder Großevent – ökonomische Nachhaltigkeit ist längst zur Schlüsselfrage der Zukunftsfähigkeit in der LiveKultur geworden. Steigende Kosten, neue Förderlogiken, veränderte Erwartungen von Partnern und Publikum sowie ein wachsender Konkurrenzdruck fordern eine strategische Ausrichtung, bei der ökonomische und ökologische Ziele zusammengedacht werden müssen.
Zertifizierungsmodelle spielen dabei eine immer größere Rolle: Sie versprechen Orientierung, Glaubwürdigkeit und besseren Zugang zu Fördermitteln. Gleichzeitig wachsen Druck und Aufwand – denn viele Programme stellen hohe Ansprüche, die in der Realität oft schwer umsetzbar sind. Wie praktikabel sind diese Standards für kleinere und mittlere Veranstaltungsformate? Wie verändert sich unter Zertifizierungsbedingungen der wirtschaftliche Handlungsspielraum?
Dieses Panel diskutiert die ökonomische Dimension nachhaltiger Veranstaltungsplanung – zwischen strategischem Anspruch und praktischer Umsetzung. Im Zentrum stehen Erfahrungen mit Zertifizierungssystemen, ihre betriebswirtschaftlichen Implikationen und die Frage, wie Nachhaltigkeit zum echten Wettbewerbsvorteil werden kann, ohne zur überfordernden Pflichtübung zu geraten.


Re-Connect: Wie Festivals die Gen Z (wieder) erreichen können, Panel, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
12:00 bis 13:00 Uhr

Moderation: Catherin Freudenberger (Blacksheep-Festival) 

Speaker*innen:

Emma Wolf (Content Creative)
Rembert Stiewe (Orange Blossom Special Festival)
Doran Martens (Festival Am Waldrand) 

Das Festival als Ort der Begegnung funktioniert nur, wenn alle eingeladen sind – und sich eingeladen fühlen. Doch die Gen Z tickt anders: politischer, fragmentierter, digitaler – und zugleich oft prekarisiert. Wie können Festivals inhaltlich, strukturell und atmosphärisch Räume schaffen, die für junge Menschen wirklich relevant sind?


Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt”(?) – über Kunstfreiheit in Deutschland & politische Einflussnahme, Panel, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
13:30 bis 14:30 Uhr

Moderation:  Anna Blaich (2. Vorsitzende Bundesstiftung LiveKultur)

Speaker*innen:

Katja Lucker (GF Initiative Musik gGmbH)
Mankel Brinkmann (1. Vorsitzender LiveMusikKommission e.V.) 


Politisch sein – ja, aber wie, für wen und mit welchem Preis? Die LiveKultur steht zunehmend unter dem Druck gesellschaftlicher und politischer Erwartungshaltungen: Diversität, Inklusion, Haltung zeigen – aber auch Ticketverkäufe sichern, Auflagen erfüllen, Förderrichtlinien einhalten. Die Frage, wie sich das eigene Werteverständnis mit den Anforderungen von Fördermittelgeber:innen, Sponsor:innen und Publikum in Einklang bringen lässt, wird zur zentralen strategischen und ethischen Herausforderung.
Dieses Panel nimmt die Metaebene in den Blick: Es geht um strukturelle Spannungsfelder zwischen Anspruch und Realität, zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Positionierung – und um die Frage, wie viel Raum Festivalmacher:innen heute wirklich haben.

„Who Owns the Stage?“ – Machtfragen in der LiveKultur, Panel der Bundesstiftung Livekultur, LiveKomm House (Kastanienallee 9)
15:00 bis 16:00 Uhr

Moderation:  Rike van Kleef (Autorin) 

Speaker*innen:
MINE (Musikerin) 
Ariane Mohr (Head of Booking Reeperbahnfestival, Mentorin) 
Danièle Dondé (Freiberufliche Kulturmanagerin, Mentee) 
Pamela Owusu-Brenyah (Kuratorin & Festival Booker (Freelance)

Festivals und Clubs gelten als Orte des kollektiven Erlebens, der Offenheit, der Vision. Doch wer gestaltet diese Räume wirklich – inhaltlich, ästhetisch, organisatorisch? Und wessen Perspektiven fehlen systematisch?
Dieses Panel öffnet den Blick auf die Bühne als symbolischen wie strukturellen Ort gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Es fragt nicht nur, wer auftritt – sondern auch: Wer kuratiert? Wer organisiert? Wer hat Entscheidungsmacht über Sichtbarkeit, Ressourcen, Ästhetik und Atmosphäre? Wer darf scheitern, wer muss sich beweisen? Im Zentrum steht die These: Die Bühne gehört nicht einfach „allen“. Ihre vermeintliche Offenheit basiert auf historisch gewachsenen Ausschlüssen, unsichtbaren Hierarchien und ästhetischen Normen. Die Festivalproduktion und das Clubleben ist ein kulturelles Betriebssystem – und dieses Betriebssystem muss aktualisiert werden, wenn Teilhabe mehr sein soll als Imagepflege. Im Fokus steht das Mentoringprogramm „FLINTA+ in der LiveKultur“ der Bundesstiftung LiveKultur, dass dort ansetzt, wo Veränderung beginnt: bei jenen, die Sichtbarkeit, Räume und neue Narrative gestalten – auf, vor und hinter der Bühne.

Helga Festival Award 2025, Knust
16:00 bis 17:00 Uhr

Der Helga! Festival Award wird seit 2013 im Rahmen des Reeperbahn Festivals vergeben und zeichnet die besten nationalen Festivals des Jahres aus.

Jedes Jahr prämiert eine hochkarätige, mehrköpfige Fachjury die heißesten, kreativsten, lustigsten und blumigsten Festivals der Nation in fünf verschiedenen Kategorien. Auch alle Festivalfans sind gefragt, Teil der Jury zu sein und können im Public Voting jährlich für ihr Lieblingsfestival abstimmen.

In Zusammenarbeit mit HÖME – “Zuhause der Festivalkultur” und dem Reeperbahnfestival ist die LiveKomm Medien-, Kommunikations- und Kompetenzpartnerin.

Hier geht’s zur Anmeldung (Zugang nur mit RBF-Akkreditierung):

https://tickets.infield.live/event/helga-festival-award-2025-zexih5

FLINTA* & Friends by Keychange, MEWEM, Bundes­stiftung LiveKultur, faemm, Music Women* Germany, Bermuda Bar
17:00 bis 20:00 Uhr

Wir sind uns einig: FLINTA* gehören nicht nur auf die Bühne, sondern auch hinter und vor sie – in die Technik, die Produktion, das Booking, die Entscheidungsräume. Doch wer echte Veränderung will, braucht mehr als Sichtbarkeit: Es braucht Austausch, Solidarität, Verbündete – und Räume, in denen wir uns sicher begegnen und gegenseitig stärken können.

Deshalb laden Keychange, MEWEM, die Bundesstiftung Livekultur, faemm und Music Women* Germany während des Reeperbahn Festivals zu einem gemeinsamen Networking-Event ein. Ob ihr euch schon kennt oder zum ersten Mal dabei seid – dieser Abend gehört FLINTA* und ihren Allies: Als Raum für Begegnung, Perspektivwechsel und Verbindung.

Gemeinsam schaffen wir Platz für ehrliche Gespräche, empowernde Impulse und neue Allianzen. Denn viele sehen die Lücken in der Branche längst – lasst uns zusammen daran arbeiten, dass sie geschlossen werden. An den Decks sorgen AZLAY (Festsaal Kreuzberg, Chief Brody & Fusion) und Punani (Mensch Meier, Berlin) für den richtigen Soundtrack des Abends.

Let’s change the system – together.

Reception of Receptions, präsentiert von Future of Festivals, Taubenstraße
18:00 bis 23:00 Uhr

Fünf Stunden. Zehn Festivals. Ein Bus. Eine Rezeption nach der anderen. In 30-Minuten-Slots präsentieren sich Festivals, treffen auf Dienstleisterinnen, Partnerinnen und Fans.

Forum Musikwirtschaft: Together we stand, divided we fall, East Hotel, Amber Room

11:45 bis 12:45 Uhr

Moderation: Kleopatra Tümmler (IMUC)

Speaker*innen:

Mankel Brinkmann (Hush Hush GmbH, 1. Vorsitzender LiveMusikKommission)
Dr. Jonas Haentjes (Edel SE & Co. KGaA / CEO)
Verena Bößmann (Dunstan Music GbR / Mitinhaberin)
Johanna Holthöwer (handwerker promotion e. gmbh / Geschäftsführerin)

Das Ökosystem Musikwirtschaft wächst. Das ist die Kernbotschaft der Studie zur Musikwirtschaft 2024. Keine andere Branche in Deutschland ist enger verzahnt und trägt somit Erfolge, aber auch Risiken gemeinsam. Gleichzeitig ist der Markt im Wandel, was national genauso wie international Konzernstrukturen begünstigt. Vor allem im Live- und Recorded Bereich ist dies sichtbar und der Verlust der kulturellen Vielfalt wird heraufbeschworen. Verbandsübergreifend analysieren wir die aktuellen Entwicklungen und diskutieren Modelle, die das Ökosystem aus klein und groß vital halten können. Was brauchen unabhängige Labels und Veranstaltende, welche Rolle können die Konzerne spielen und welche Stellschrauben hat die Politik, um kreative Strukturen und den „Circle of Live“ langfristig zu stärken? 


Imagine all the people. Was brauchen unsere Leute in der Arbeitsrealität?, Panel des Forums Veranstaltungswirtschaft, EAST Olive & Pepper

13:30 bis 14:30 Uhr

Moderation:
Johannes Everke (BDKV e.V. / Geschäftsführer)

Speaker*innen:
Marion Schöne (Olympiapark München / CEO)
Marcus Pohl (isdv. e.V. / 1. Vorsitzender)
Barbara Loth (Rechtsanwältin für Arbeitsrecht)

„Imagine togetherness“ in den Jobs: wie können wir in der Veranstaltungswirtschaft besser zusammenarbeiten? Welche Hürden bestehen für Diversität und die Integration aller? Braucht es neue Arbeitszeitmodelle und welche Rahmenbedingungen müssen wir für Selbständige schaffen? 

Die Veranstaltungswirtschaft tickt anders – mit besonderen Geschäftsmodellen, unregelmäßigen Einsatzzeiten und viel Projektarbeit. Damit tun sich nicht nur Gesetzgeber und Behörden schwer. Wir durchleuchten, was und wozu sich einiges ändern muss, damit wir rechtssichere Bedingungen schaffen, ein attraktiver Arbeitsmarkt bleiben und neue Talente anziehen können. 


1.800 Festivals. Eine Studie. Was die Festivalstudie über Musik, Publikum und Perspektiven zeigt, East Bacardi Lounge

14.45 Uhr – 15.45 Uhr

Imagine Tog­e­ther­ness: Wie wir die Zukunft der Live­mu­sik sichern: Ein solidarisches Modell zugunsten von Clubs, Künstler*innen und Veranstaltenden Session, East Hotel / Olive + Pepper
16.00 – 17.30 Uhr

Moderation:
Daniel Koch, Freier Journalist

Speaker*innen:
Benjamin Fischer, Frankfurter Allgemeine Zeitung / Wirtschaftsredakteur
Pamela Schobess, Gretchen, LiveKomm / Vorstandsmitglied
Berthold Seliger, Berthold Seliger – Büro für Musik, Texte und Strategien / Geschäftsführer
Carsten Brosda, Hamburger Senat, Senator der Hamburger Behörde für Kultur und Medien
Christopher Annen, Pro Musik / Vorstandsmitglied
Martin Rabanus, MdB, SPD, Sprecher der SPD-Arbeitsgrupper Kultur und Medien
David Schliesing, MdB, Die Linke
Detlef Schwarte, Reeperbahn Festival / Direktor
Karsten Schölermann (DE), Bundesstiftung LiveKultur / Vorstandsmitglied
Felix Grädler, Bundesstiftung LiveKultur, halle02 GmbH
Isabel Roudsarabi, Höme Mitgründerin & Geschäftsführerin @ Höme

Einerseits Superstars, Stadionshows und Spitzenpreise für Konzerttickets. Andererseits Konzertabsagen, Clubsterben und ein Feuerwerk der Nebenkosten – die Geschäftsgrundlage an der Basis der Kultur für Konzerte steht unter massivem Druck.

Dem Vorschlag einer Internet-Steuer folgend, mittels Umverteilung dank einer Ticket-Tax wie in Frankreich auf eine staatliche Regelung zu setzen? Könnte die Verpflichtung einer Abgabe auf Konzerttickets ähnlich wie die Filmabgabe für Kinos das Problem der Ungleichheit beheben? Oder frei nach dem Motto ‚Imagine Togetherness‘ eine neue Idee wagen: Der Live Music Fund Germany. Eine Initiative aus der Branche für die Branche.

Ein Fonds, inspiriert vom britischen Music Venue Trust, der kleine Spielstätten und Festivals, Newcomer:innen und unabhängige Veranstalter:innen absichert – solidarisch co-finanziert von jenen, die vom Boom profitieren.

Eine Gesprächsrunde mit Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft, Veranstalter:innen und Künstler:innen. Zur Debatte steht, wie ein solcher Fonds funktionieren kann, welche Hürden zu nehmen sind – und warum es genau jetzt einen „Circle of Live“ braucht.

PressemitteilungFestivalstudie 2025: Vielfalt in Gefahr – LiveKomm fordert entschlossenes Handeln

Hamburg, den 10. September 2025 – Zum ersten Mal liegt mit der neuen Festivalstudie Deutschland eine systematische Bestandsaufnahme der Musikfestivallandschaft vor. Sie wurde auf Grundlage einer bundesweiten Vollerhebung unter 1.764 Veranstaltenden durchgeführt – 639 Rückmeldungen liefern eine valide und repräsentative Datengrundlage.

„Endlich haben wir belastbare Zahlen zur Situation der Festivals in Deutschland“, betont Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveMusikKommission e.V. (LiveKomm), der Bundesverband der Musikspielstätten. „Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, wie vielfältig und relevant Festivals für Kultur, Gesellschaft und Regionen sind – gleichzeitig aber auch, wie groß die Gefahren für ihre Zukunft sind.“

Die Ergebnisse der Studie sind ambivalent: Einerseits dokumentiert die Studie die enorme kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Bedeutung der Festivals in Deutschland. Andererseits macht sie deutlich, dass viele Veranstaltende unter existenziellen wirtschaftlichen Zwängen stehen.

Bedrohlicher Trend

Nahezu ein Drittel der Festivals schreibt Verluste, jedes zehnte Pop-Festival ist in seiner Durchführung akut gefährdet. Steigende Kosten, unvorhersehbare Ticketverkäufe und eine wachsende Marktkonzentration drohen gerade kleine und mittlere Formate dauerhaft vom Markt zu verdrängen.

Ehrenamt als Fundament – politische Absicherung erforderlich

Trotzdem tragen Festivals entscheidend zum kulturellen Reichtum Deutschlands bei: Sie vereinen Genres, schaffen Plattformen für Nachwuchs und vernetzen lokale Szenen. In vielen, gerade ländlichen Gegenden sind sie zudem Orte gelebter Diversität und demokratischen Miteinanders, insbesondere für junge Menschen. Auffällig: 79 Prozent aller Festivals stützen sich auf ehrenamtliche Arbeit. Ohne diesen Einsatz Freiwilliger wäre die deutsche Festivallandschaft schlicht nicht denkbar.

„Unsere Festivals sind Motor der kulturellen Vielfalt – und zugleich an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Studie zeigt, wie unverzichtbar das Ehrenamt ist. Aber Engagement allein reicht nicht: Wir brauchen dringend politische Rahmenbedingungen, die Festivals ökonomisch absichern und damit kulturelle Teilhabe für alle ermöglichen“, warnt Mankel Brinkmann, 1. Vorsitzender der LiveKomm.

LiveKomm fordert politische Antworten

Die LiveKomm ruft Bund, Länder und Kommunen auf, die Ergebnisse ernst zu nehmen. Notwendig sind strukturelle Förderinstrumente für Artist-Honorare, Infrastruktur und künstlerische sowie berufliche Nachwuchsarbeit, um das Überleben der kleinen und mittleren Festivals und damit die kulturelle Vielfalt in Deutschland langfristig zu sichern. Insbesondere nötig ist eine Absicherung jener ehrenamtlichen Strukturen, auf denen die deutsche Festivallandschaft fußt. Des Weiteren braucht es schlanke, entbürokratisierte Förderverfahren, die Planungssicherheit für Veranstaltende schaffen.

Zu den Ergebnissen der Studie:

Pressemitteilung – Corona-Enquete: Livemusik-Szene braucht im Pandemiefall flächendeckend verlässliche Hilfe

Flickenteppich und komplizierte Abwicklung gefährden auch heute noch Clubs und Festivals

Die LiveKomm, der Bundesverband der Livemusik-Spielstätten, begrüßt den Einsatz einer Corona-Enquete-Kommission ab September. Um für künftige Pandemiefälle gerüstet zu sein, müssen auch Versäumnisse adressiert werden – denn trotz umfangreicher finanzieller Hilfen litten und leiden Venues unter dem behördlichen Flickenteppich in Zuge der Abwicklung.

Die Corona-Pandemie war ein massiver Einschnitt für die Live-Branche – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch strukturell, sozial und psychologisch. Clubs, kleine Konzertbühnen und soziokulturelle Orte waren unter den ersten Einrichtungen, die schließen mussten – und unter den letzten, die wieder ohne Einschränkungen öffnen durften. Die Club-Schließungen, Festival-Absagen und Hilferufe, die wir heute beobachten, sind oft Spätfolgen dieser jahrelangen Belastung.

In der Pandemie konnten Verbände wie die LiveMusikKommission (kurz LiveKomm) als Sprachrohr fungieren und den politischen Dialog intensivieren, um die Anliegen der Kultur zu transportieren. Das war ein Fortschritt. Vielen Musikclubs konnten mit Programmen wie NEUSTART KULTUR über diese schwere Zeit gerettet werden.

Politische Lehren, die aus der Pandemie zu ziehen sind:

  1. Es fehlt nach wie vor ein strukturelles Sicherheitsnetz für private Kulturbetriebe. Hilfen kamen oft zu spät, waren zu bürokratisch oder schlicht nicht auf die Realitäten von nicht-kommerziellen Veranstaltungsbetrieben zugeschnitten.
  2. Einige Bundesländer reagierten relativ schnell und unkompliziert. Die Bearbeitung der Schlussabrechnungen durch die Abwicklungsstellen der Bundesländer erfolgte jedoch höchst unterschiedlich – so entstand eine Ungleichbehandlung der Musikspielstätten. Nicht selten mussten und müssen sich Verwaltungsgerichte in aufwändigen, langwierigen Prozessen damit befassen. Die Unterstützung durch den Staat wurde vielfach herausgestellt, die Rückforderungen stehen weniger im medialen Fokus.

Die sogenannten freiwilligen „Billigkeitsleistungen“ des Staates sahen u.a. ab März/April 2022 sofortige Öffnungspflichten vor. Das Spezifikum von kulturellen Veranstaltungsbetrieben, die nach monatelangem Stillstand ein Live-Programm nicht sofort realisieren können, wird bislang nicht gesehen. 

Zudem wurden in einigen Fällen die Kriterien für die Förderung erst im Nachhinein präzisiert.

  • Es gibt keine Krisenvorsorge für zukünftige Situationen: keine Notfallpläne, keine automatisierten Ausfallfonds, keine abgestimmten Kommunikationswege und keine Hilfsgrenzen. Letztere sollten den höchst unterschiedlichen Bedarfen Rechnung tragen und für Konzerne mit einem Umsatzvolumen von z.B. über 500 Mio. Euro gelten.
  • Die soziale Infrastruktur der Kulturarbeit – also solo-selbstständige Menschen hinter den Kulissen, Technik-Crews, Booker*innen, Awareness-Teams – wurde nicht mitgedacht. Gerade im Vergleich zu antragsstellenden Unternehmen waren die Hilfestellungen für diese Gruppe von Betroffenen mehr als ungenügend.
    Mit dem Arbeitslosengeld II wurden hilfsbedürftige Menschen gebrandmarkt und negativ kategorisiert – mit allen Pflichten.
    Viele haben die Branche verlassen und den Fachkräftemangel verschärft.
  • Es fehlt an verlässlicher politischer Anerkennung: Auch heute, zwei Jahre nach dem Ende der Maßnahmen, kämpfen viele Clubs um existenzsichernde Grundlagen.

Was wünschen wir uns für die Zukunft?

Für den Kultur- und speziell den Clubbereich braucht es:

  • Ein pandemiefestes Förderinstrumentarium, das im Ernstfall greift – ohne monatelanges Warten oder unklare Zuständigkeiten.
  • Rechtssicherheit und Kommunikation: Einheitliche Regelungen, transparente Kriterien, Einbeziehung der Kulturakteure in Entscheidungsprozesse.
  • Nachhaltige Strukturförderung, nicht nur Krisenbewältigung. Wenn wir resiliente Kulturlandschaften wollen, müssen Räume, Personal und Programme langfristig unterstützt werden.
  • Politische Mitgestaltung legitimiert sich durch die Betroffenheit von Entscheidungen: Die Szene hat gezeigt, dass sie Verantwortung übernehmen kann. Dafür sollte ihr auch dauerhaft eine Stimme im politischen Prozess gegeben werden.

In die Arbeit der Enquete-Kommission sollte auch die Perspektive des Kultursektors einfließen. Denn: Die Livekultur ist mehr als nur Nachtleben – sie ist Teil der kulturellen DNA dieses Landes. Wir hoffen, dass die Enquete-Kommission den Mut hat, nicht nur Fehler zu analysieren, sondern auch strukturelle Konsequenzen zu empfehlen.