Pressemitteilung: Mehr Musik!

Thesen zur „Zukunft der Musikwirtschaft in Deutschland durch Stärkung der musikalischen Bildung“ – Forum Musikwirtschaft fordert Stärkung der musikalischen Bildung als Grundpfeiler der Kultur- und Kreativwirtschaft

Berlin/Hamburg/München, 20. Juni 2024 – Die Musikwirtschaft fordert anlässlich der morgigen Fête de la Musique mehr musikalische Bildung und ein Ende der Debatte um den Wert und die Sinnhaftigkeit des Musikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen

Musikalische Bildung fördert wichtige demokratische Werte wie Teamarbeit, Kommunikation, gegenseitigen Respekt und kulturelle Vielfalt. Durch gemeinsames Musizieren lernen Menschen, zuzuhören, zusammenzuarbeiten und unterschiedliche Perspektiven zu schätzen – Fähigkeiten, die in einer demokratischen Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind. Gleichzeitig ist musikalische Bildung entscheidend für die Zukunft der Musikkultur und -wirtschaft in Deutschland. Sie fördert die gesellschaftliche Vielfalt in unseren Musikangeboten und hilft, das Publikum von morgen zu gewinnen.

„Ohne ausreichende musikalische Bildung als Grundlage riskieren wir nicht nur den Verlust zentraler sozialer Kompetenzen, sondern auch des künstlerischen Nachwuchses, künftiger Fachkräfte und des  Interesses an unseren musikalischen Produkten ebenso wie die Unterstützung durch kulturpolitische Entscheidungsträger*innen“, so die maßgeblichen Musikwirtschaftsverbände. Um das Bewusstsein für den Stellenwert musikalischer Bildung zu stärken, veröffentlicht das Forum Musikwirtschaft anlässlich der Fête de la Musique am 21. Juni ein politisches Thesenpapier.

Die Musikwirtschaft ist ein wesentlicher Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland. Mit jährlichen Gesamterlösen von knapp 15 Milliarden Euro und der Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze spielt die Branche eine entscheidende Rolle für Kreativität, Innovation und Wirtschaftswachstum.

Um die Musikwirtschaft und die musikalische Bildung nachhaltig zu fördern, sind nach Auffassung des Forum Musikwirtschaft mehrere Maßnahmen notwendig: ausreichende finanzielle Mittel, die feste Verankerung des Musikunterrichts im Bildungssystem und die Verbesserung der Ausbildung von Musiklehrkräften. Allgemeinbildende Schulen benötigen eine angemessene Ausstattung mit Musikinstrumenten und technischer Ausrüstung sowie eine enge Zusammenarbeit mit freien Musikschulen und dem lokalen Musikfachhandel. Außerschulische Angebote wie freie Musikschulen, Jugendzentren und Musikvereine müssen ausgebaut und finanziell unterstützt werden. Investitionen in musikalische Bildung sowie die Integration in Strategien zur Förderung der Kreativwirtschaft sind unerlässlich.

Darüber hinaus, sind sich die Musikverbände einig, sollte die Fête de la Musique stärker auch als nationales Kulturereignis begangen werden, um die Vielfalt der Musiklandschaft zu feiern und junge Talente sichtbar zu machen. Zudem sollte der KulturPass um das Angebot des Musikunterrichts erweitert werden, um den Zugang zur musikalischen Bildung an (freien) Musikschulen für alle zu verbessern.

Pressemitteilung: Kaum Bewegung beim Lärmschutz

Referentenentwurf zur TA Lärm liegt vor # LiveKomm verfasst Stellungnahme # Verbände und Bundesländer können bis zum 21. Juni Positionen einreichen

Der vorgelegte Entwurf einer Lärmschutznovelle verpasst das Ziel, Kultur zu schützen und moderne Stadtentwicklung zu fördern. Bauprojekten werden zusätzliche Hürden gesetzt, für bestehende Kulturorte gibt es keine nennenswerten Verbesserungen. Die mancherorts minimal angehobenen Dezibelgrenzen werden in städtischen Gebieten allein schon durch Verkehrsgeräusche überschritten. Überdies wird die komplizierte Neuregelung in der Praxis kaum Anwendung finden.

Seit dem 21. Mai 2024 liegt seitens der ministeriellen Fachebene des Bundesumweltministeriums der „Entwurf einer Zweiten Verwaltungsvorschrift zur Änderung der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ vor. Zwar enthält der Entwurf den Vorschlag, dass in bestimmten Bereichen nachts höhere Lärmwerte gelten dürfen, wenn bestimmte Voraussetzungen unter strengen Vorgaben erfüllt sind. Jedoch werden diese Grenzwerte kaum je greifen, da die Paragraphen so viele Bedingungen und Vorgaben vorsehen, dass in einer künftigen Wohnungsbaupraxis kaum eine spürbare Relevanz zu erwarten ist.

Bislang sind insbesondere keine substantiellen Verbesserungen für den Bestand von Kulturorten bei heranrückender Wohnbebauung vorgesehen, sondern lediglich bei Bauvorhaben, bei denen Bebauungspläne geändert werden müssen. Die meisten Bauprojekte finden jedoch nicht auf der Basis neuer Bebauungspläne statt, sondern auf der Basis bereits bestehenden Bauplanungsrechts oder gewachsener Strukturen ohne Bebauungsplan. Wenn dies so bliebe, wäre die neue Verordnung reine Symbolpolitik, die uns in diesem Fall leider nicht hilft“, stuft Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveKomm, den Entwurf ein.

Konkret sollen demzufolge die Immissionsrichtwerte nachts außerhalb von Gebäuden in urbanen Gebieten von 45 dB(A) auf 50 dB(A) angehoben werden und in Kern- und Mischgebieten auf 48 dB(A). In allgemeinen Wohngebieten sollen sie bei 43 dB(A) liegen. Die Regeln sollen im Rahmen einer Experimentierklausel zunächst bis Ende 2032 gelten.

Der Referentenentwurf liegt somit weit hinter den Erwartungen der Live-Branche. Die LiveKomm hat daher eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt. Die Vereinbarung von SPD, GRÜNE und FDP sieht im Kapitel „Bauen und Wohnen / Städtebau“ (auf Seite 93) vor, dass die TA Lärm modernisiert und an die geänderten Lebensverhältnisse in den Innenstädten anpasst wird, um Zielkonflikte zwischen Lärmschutz und heranrückender Wohnbebauung aufzulösen. Dabei soll auch der kulturelle Bezug von Clubs und Livemusikspielstätten berücksichtigt werden.

Auch die Immobilienbranche zeigt sich verhalten. Der große Wurf werde die Vorschrift nicht, heißt es in ersten Reaktionen. So titelt die Immobilen-Zeitung: „Neue TA Lärm bringt Schranken statt Chancen“.

Der vorliegende Entwurf bildet innerhalb der Bundesregierung eine erste Diskussionsgrundlage, es können derzeit noch bis zum 21.06.24 Änderungsvorhaben über die Bundesländer oder die Ministeriumsleitung einfließen. Für viele Kulturschaffende wäre es enttäuschend, wenn diese Chance auf erleichternde Schall-Immissionsschutzregeln ungenutzt bliebe. Die fiktive Nachtruhe bliebe weiterhin der heilige Gral, die oftmals insbesondere in innerstädtischen Lagen allein durch den Straßenlärm kaum erfüllbar ist, da der allgemeine Verkehr bereits oberhalb der nach TA-Lärm erlaubten Grenzwerte liegt. Treten dort dann Kulturschallereignisse (z.B. durch Menschen bei der An- und Abreise) auf, werden diese rechtlich weiterhin verunmöglicht. Die Kultur wird so einer Verödung der Innenstädte – insbesondere in den Nachtstunden – kaum entgegenwirken können.

Die Kernfrage, die die Bundesländer und die Politik sich dieser Tage stellen muss, lautet: Wie viele Menschen und deren Immissionen bei An- und Abreisen sind nachts erlaubt, gewünscht und tolerierbar? Einer ‚Experimentierklausel‘ sollte man zudem ansehen, dass die Beteiligten gewillt sind, ein ‚Experiment‘ zu wagen.“, kommentiert Thore Debor, Sprecher der LiveKomm AG Kulturraumschutz und fordert Anpassungen beim Ausgleich von Interessen beim Schallimmissionsschutz für Bestandsbetriebe.

Pressemitteilung: Tropfen auf dem heißen Stein: Aktuelle Förderprogramme decken kaum die Bedarfe der gebeutelten Clubs und Festivals

Clubs und Festivals leiden unter enormem Kostendruck, können aber, anders als die Hochkultur, kaum auf Förderung zugreifen. Die wenigen aktuellen Förderprogramme für die Szene sind zu gering ausgestattet, um dem riesigen Bedarf gerecht zu werden.

Immer weiter steigende Betriebskosten, Mieten und Gagenforderungen – hiesige Clubs und Festivals ächzen unter der Preisentwicklung. Umso wichtiger sind Förderprogramme, wie sie das BKM über die Initiative Musik auflegt. Leider reichen die so ausgeschütteten Gelder nicht im Ansatz, um die Kostenexplosion zu kompensieren.

So ist etwa die aktuelle Runde des Festivalförderfonds mit 5 Millionen Euro ausgestattet – und heillos überzeichnet. Mehr als 800 Festivals haben sich beworben, gefördert wurden letztlich nur 141 der Antragstellenden. Eine weitere Ausgestaltung des Festivalförderfonds im Bundeshaushalt ist dringend notwendig.

Nicht besser sieht es im Clubbereich aus. Das aktuelle Programm PlugIn fördert die Modernisierung von Aufführungstechnik. Zur Verfügung stehen 1 Million Euro – bundesweit. Die Clubstudie der Initiative Musik zählte 2021 hierzulande 2.000 Spielstätten, die meisten davon antragsberechtigt im Sinne der Programmbeschreibung. So bleibt für den einzelnen Club nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wie groß der Bedarf ist, zeigt eine aktuelle Erhebung des nordrhein-westfälischen Landesverbands LINA unter 174 Clubs, der zufolge 77% der Venues in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

Allein für den Erhalt eines durchschnittlichen Club-Anlagevermögens von 200.000 EUR würden bei jährlichen Abschreibungen von 20.000 EUR und einer Förderquote von 50% pro Club 10.000 EUR pro Jahr benötigt. Bei 2.000 Spielstätten in Deutschland summiert sich der Minimal-Bedarf somit auf 20 Millionen Euro.

Und während seit 2019 die Kultur-Etats der Länder um 15% gewachsen sind, stagnieren die Fördersummen im Club- und Festivalbereich – ganz im Gegensatz zur Hochkultur. Auch eine Zukunftsorientierung in z.B. Fragen der energetischen Sanierung, ist mit den vorhandenen Fördertöpfen leider nicht zu leisten.

Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveMusikKommission: „Unsere Musikspielstätten wollen eigenständig wirtschaften und nicht vom Staat abhängig sein. Gerade in Zeiten wie diesen braucht es aber substanzielle Unterstützung. Mit der Initiative Musik arbeiten wir erfolgreich und vertrauensvoll zusammen bei der Entwicklung von Förderprogrammen – die Fördertöpfe, die seitens des Bundes zur Verfügung gestellt werden, sind nur schlicht zu klein. Hinzu kommen die zunehmenden Auflagen seitens verschiedenster Ministerien und Verwaltungen und das trotz versprochener Entbürokratisierung-Maßnahmen.

Ich befürchte, dass wir in diesem Jahr einen erheblichen Verlust an Clubs und Festivals verzeichnen werden, die dem finanziellen Druck nicht mehr standhalten und deren Resilienz nach den letzten Jahren aufgebraucht ist. „

Pamela Schobeß, Vorstand der LiveMusikKommission: „Für Berlin ergibt sich im Programm PlugIn eine Gesamt-Fördersumme von 44.000 EUR. Für die Infrastruktur-Anforderungen der zahlreichen Berliner Clubs ist das in Summe viel zu wenig. Zur Verfügung stünden bei 350 Clubs lediglich rund 127 EUR pro Venue – das reicht nicht mal für einen professionellen LED-Scheinwerfer.“

Förderprogramm PlugIn – Technische Ausstattung von Musikclubs

Mit dem Programm PlugIn, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Bundeskonferenz Jazz und der LiveKomm, legt die Initiative Musik ein neues Förderprogramm für Clubs auf. Ziel ist die Modernisierung von Aufführungstechnik. Möglich sind Zuschüsse von 900 EUR bis 15.000 EUR bei 10 bis 50 % der Ausgaben als Eigenanteil, es wird sowohl Neuanschaffung als auch Reparatur gefördert.

In Kürze können Livemusikspielstätten bis zu einer Kapazität von 2.000 Stehplätzen auf dem Portal der Initiative Musik Förderanträge stellen: Start ist der 3.6., 13 Uhr, die Antragstellung bis zum 28.6., 18 Uhr möglich. Es gilt das Windhundverfahren, die Anträge werden in der Reihenfolge ihres Einganges geprüft und bewilligt: Reicht eure Anträge also so zeitig wie möglich ein! Das Antragstool steht bereits vor dem Stichtag zur Verfügung. Infos werden direkt dort eingetragen, es wird keine Excel-Vorlagen für die Konzertlisten und den Finanzierungsplan geben.

Nutzt auch die Infocalls der Initiative Musik (über die Links gelangt ihr zur Registrierung für das jeweilige Datum):

Di, 21.05.2024, 15:30-17 Uhr
Fr, 24.05.2024, 11-12:30 Uhr
Di, 28.05.2024, 15:30-17 Uhr
Fr, 31.05.2024, 11-12:30 Uhr

Weitere Termine sind in Vorbereitung und werden zeitnah auf der Website kommuniziert. Dort sind zudem relevante Informationen wie die Programmbeschreibung und die FAQ zu finden.

[Gemeinsame Pressemeldung] Diesjährige Fête de la Musique erhält Unterstützung von zahlreichen Musikwirtschaftsverbänden

Die diesjährige Fête de la Musique, die am 21. Juni 2024 weltweit gefeiert wird, erfährt eine breite Unterstützung von verschiedenen Musikverbänden aus der Musikwirtschaft. Zu den Unterstützenden gehören der Bundesverband der Freien Musikschulen e. V. (bdfm), der Bundesverband der deutschen Musikinstrumentenhersteller e. V. (BDMH), der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft e. V. (BDKV), der Bundesverband Musikindustrie e. V. (BVMI), der Verband Deutscher Musikverlage e. V. (DMV), der Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte e. V. (GDM), die LiveMusikKommission – Verband der Musikspielstätten in Deutschland e. V. (LiveKomm), die Society Of Music Merchants e. V. (SOMM) und der Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen e. V. (VUT).

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Pressemeldung – Katerstimmung statt Freudenjubel: Kostendruck droht, die Livemusik-Szene zu ersticken

Aktuelle Jubelmeldungen zu Streaming-Rekorden und Ticketverkäufen wie etwa kürzlich von Seiten der GEMA sind irreführend: Bei den Musikclubs herrscht Katerstimmung. Das liegt am massiven, stetig steigenden Kostendruck. Insbesondere kleineren Musikspielstätten fehlt zunehmend das Geld, um rentabel zu arbeiten. Das gefährdet auch den Künstler:innen-Nachwuchs in Deutschland.

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Pressemeldung: Bundespolitik und Clubszene treffen sich in Berlin

Verbände und Politiker:innen unterstreichen die Forderung nach zeitgemäßen Gesetzesänderungen im Schallschutz- und Baurecht


Nachdem die Berliner Technokultur durch die Kultusministerkonferenz als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde, kämpft die Club- und Livekultur weiter um die kulturelle Anerkennung und sucht dafür den Austausch mit der Bundespolitik. Abgeordnete der Bundestagsfraktionen B90/ DIE GRÜNEN, CDU/CSU und SPD, sowie der Gruppe DIE LINKE betonten den Wert der Club- und Livekultur in einer anregenden Podiumsdiskussion und sprachen ihre Unterstützung aus.

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Statement zu den Anschlägen bei Moskau am 22. März 2024

Die LiveKomm verurteilt den feigen und furchtbaren Terroranschlag auf die unschuldigen Konzertbesuchenden in der Crocus City Hall bei Moskau. Schon wieder wurde die Zivilgesellschaft angegriffen, schon wieder wurde Unvorstellbares Wirklichkeit. Wir trauern mit den Familien und Freunden der Opfer und hoffen für die Verletzten.